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Die Klassifikation in Frankreich

Wie erkenne ich die Qualität französischer Weine auf dem Etikett?

Qualitätsstufen Wein

Frankreich ist mit 49,1 Mio. hl (im Jahr 2018) der zweitgrößte Weinproduzent aller Wein anbauenden Länder weltweit! Auch wenn die Franzosen gerne den Wein aus dem eigenen Land verzehren, so bleibt doch eine Menge für den Export übrig. Deutschland ist, was die Menge angeht, an erster Stelle der Abnehmer französischer Weine vor Großbritannien, das eine lange Handelsgeschichte in Sachen Wein mit Frankreich pflegt. Die USA, China und Belgien sind weitere Exportpartner Frankreichs. Wein aus Frankreich ist weltberühmt und bekannt. Allein Namen wie Champagner oder Bordeaux erwecken den Eindruck von Qualität und gehobener Klasse.

Wie verständlich sind denn die französischen Weine für ihr internationales Publikum gekennzeichnet? Wieviel Weinwissen muss ich als Verbraucher haben, um die Etiketten auf französischen Weinflaschen zu verstehen?

Gut zu wissen ist, dass es in Frankreich schon immer wichtig war wo der Wein herkommt. Das französische Weinrecht hat als erstes bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine umfassende Regelung die Bezeichnung und Klassifikation der Weine betreffend verfasst und damit die Grundlage für die europäische Weingesetzgebung geschaffen. In Frankreich galt auch schon vor der EU-Weinmarktordnung von 2009 das romanische Weinrecht, das sich an der Herkunft der Weine orientiert. In den deutschsprachigen Weinländern Deutschland und Österreich galt bis dahin das germanische Weinrecht, das die Qualität anhand der Sortenbezeichnung beurteilte. Das bedeutete, dass eine „Riesling Spätlese“, ohne auf die Herkunft des Weines hinzuweisen, als Qualitätsaussage genügte.

Innerhalb der EU gilt nun einheitlich die Einteilung:
Deutschland EU Bezeichnung Frankreich
Wein Wein ohne Ursprungsangabe Vin
Landwein geschützte geographische Angabe IGP
Qualitätswein geschützter Ursprung AOP
Für die Anwendung der neuen Bezeichnungen galt bis 2014 eine Übergangsregelung. So finden sich auf älteren Etiketten noch die alten Benennungen. (Zusätzlich wurde im Jahr 2014 nach französischem Vorbild die neue Klassifikation der Prädikatsweine in Deutschland in Guts-, Orts- und Lagenweine eingeführt. Mehr dazu unter Qualitätsstufen Wein)

Was bedeuten die Bezeichnungen auf dem Etikett französischer Weinflaschen?

Mal ist der Weinproduzent besonders auf dem Etikett hervorgehoben, mal der Ort der Herkunft namensgebend oder der Wein trägt einen Eigennamen, der besonders illustriert auf dem Etikett prangt. Es ist nicht immer so ganz leicht, Hersteller, Herkunft und Rebsorte anhand der Namen zuzuordnen. Man braucht schon ein wenig Kenntnis der Ortsnamen und deren geographischer Lage, um damit auch eine Zuordnung der dort zugelassenen Rebsorten zu haben.

Aber keine Angst, so schwierig ist es nun auch wieder nicht.

Ist der Ursprungsort des Weines nicht so sehr bekannt oder gar berühmt, trägt das Etikett die Lettern des Weingutes oder den Eigennamen des Weines oder der Rebsorte dick auf.

Château, Domaine, Propriétaire oder Vigneron Récoltant – Wer hat den Wein in die Flasche gemacht?

Auf dem Front- oder Rücketikett steht durch die einleitenden Worte „Mis en Bouteille par / au …“ wer der Abfüller des Weines ist. Das muss nicht immer der Weinproduzent sein, sondern kann durchaus auch von einer Vertriebsgesellschaft vorgenommen werden.

Château, ist nicht immer ein prunkvolles Gebäude mit prachtvoller Auffahrt und mit Wappen geschmücktem schmiedeeisernem Tor inmitten gepflegter Weinanlagen. Vielmehr bezeichnet „Château“ die Produktionsstätte, also alles was zur Weinproduktion von AOP / AOC-Weinen von Nöten ist, vom Weinberg bis zur fertig abgefüllten Flasche und deren Lagerung.

Domaine ist ein Weingut, das eigenständig Weine produziert. Wie auch das Château verfügt die Domaine über eigene Weinberge und Räumlichkeiten, um die Weine herzustellen.

Propriétaire ist der Besitzer eines Weingutes. Der Name des Weingutes kann durchaus anders lauten als der des Besitzers.

Vigneron Independant - unabhängiger Winzer
Was bedeutet „unabhängiger Winzer“? Auf manchen Hauptetiketten ist das Zeichen der Vigneron Independant gedruckt. Das sind Winzer, die nicht den regionalen Weinverbänden angehören und somit auch nicht an deren Weinwerbung oder Weinaktivitäten teilhaben. Sie haben sich überregional, d.h. aus allen Weinanbaugebieten, zusammengeschlossen und veranstalten unter dem eigenen „Label“ Messen und Verkostungen in ganz Frankreich.

Die Herkunft, Qualitätsmerkmal Nr. 1

Chablis ist ein Ortsname und Beaujolais eine Region, die 72 Gemeinden umfasst. Beides sind geographische Bezeichnungen und Ursprungsgebiete für Wein.

Gehen wir der Einteilung in

  • Vin de France
  • Appellation d’Origine Protegée (AOP)
  • Appellation d’Origine Controlée (AOC)

einmal nach.

Die nach romanischem Weinrecht in der EU Weinmarktordnung von 2009 vereinbarte Einteilung definiert die zunehmende Qualität eines Weines, anhand der immer enger gefassten geographischen Herkunft. Mit der regionalen Zuordnung gehen auch die dort traditionellen Weinbereitungsverfahren und die Auswahl der Rebsorten einher. Das dem Landwirtschaftsministerium zugehörige „Institut national de l'origine et de la qualité“, kurz INAO (die Abkürzung steht auch für „Institut National des Appellations d’Origine“) hat klare Vorgaben für die jeweiligen Herkunftsbereiche vorgeschrieben.

Vin
Wein ohne genauere Ursprungsangabe kann aus ganz Frankreich stammen und von einem Abfüller als Vin de France vermarktet werden. Häufig steht die Rebsorte dann im Vordergrund und nicht das „Terroir“. Die Hauptaussage auf dem Frontetikett ist dann z.B. „Chardonnay“. Die Bezeichnungen „Vin de Pays“ und „VDQS“ (Vins Délimités de Qualité Supérieure) gibt es seit der neuen Verordnung nicht mehr.

Indication Géographique Protégée (IGP)
Die Definition des INAO lautet:
„Die Indication Géographique Protégée (IGP) kennzeichnet ein landwirtschaftliches Erzeugnis, roh oder verarbeitet, dessen Qualität, Ruf oder andere Merkmale mit seiner geografischen Herkunft zusammenhängen.“
Das bedeutet für den Weinbau, dass bei Weinen, die mit der Bezeichnung IGP gekennzeichnet sind, alle Arbeitsschritte von der Weinlese bis zum fertigen Wein in dem angegebenen geographischen Gebiet durchgeführt werden müssen. Die „geschützte geographische Angabe“ bezieht sich auch auf die für die Region als typisch spezifizierte Art der Weinherstellung, die von unabhängigen Kontrollstellen überprüft wird.

Appellation d’Origine Protegée (AOP)
Der Qualitätswein geschützten Ursprungs hat strenge Auflagen um als typischer Wein der Appellation gekennzeichnet zu werden. Im „cahier des charges“ stehen die Anforderungen an die Arbeit im Weinberg, zugelassene Rebsorten, Höchstertragsmenge, Alkoholgehalt und die erlaubten Methoden der Weinherstellung genau aufgeführt. So soll gewährleistet werden, dass nicht nur die Herkunft, sondern auch ein bestimmtes Herstellungsverfahren geschützt wird und als typisch mit einer Region verbunden wird. Die vorgeschriebenen analytischen Kontrollen und sensorischen Verkostungen bestätigen dann die Appellation d’Origine Protegée. Die kann sich als „AOP Cru“ sowohl auf eine bestimmte Lage oder Parzelle beziehen als auch als „AOP kommunal“ auf eine Gemeinde oder als „AOP regional“ auf eine Region.

Appellation d’Origine Controlée (AOC)
Die Bezeichnung AOP ersetzt seit 2009 in den meisten Bereichen die bis dahin gültige Bezeichnung AOC. Trotzdem darf in Frankreich auch aktuell noch heute die Bezeichnung AOC bei Weinen verwendet werden. Produkte, die so ihre „kontrollierte Herkunft“ nachweisen, erfüllen auch die Anforderungen des „geschützten Ursprungs“ der europäischen Marktordnung, möchten aber ihren Namen als AOC innerhalb Frankreichs schützen.

„Cru“ - die Vielzahl der Lagen

In Frankreich gibt es keine Prädikatsstufen wie wir sie in Deutschland bei Qualitätsweinen kennen. Dafür aber den Begriff „Cru“ in vielerlei Wortkombination. Übersetzt bedeutet „cru“ Lage oder Weinberg oder auch Gewächs. Die verschiedenen Anbaugebiete haben jeweils eine eigene „Cru-Hierarchie“, die sich für den Laien nicht direkt erschließt. Cru Bourgois, Grand Cru und Premier Cru, um nur ein paar zu nennen, bedeuten nicht überall das gleiche. Wir haben die „Cru“-Klassifikationen mehrerer Anbaugebiete mal vergleichend in einer Tabelle zusammengestellt.

Hier sieht man deutlich, dass die Einstufung je nach Anbaugebiet variiert. Ein Grand Cru im Burgund ist die Qualitätsspitze, während ein Grand Cru Classé in Saint Émilion nur „Zweitbester“ ist.

Im Burgund, der Champagne, an der Rhône, im Elsass und im Beaujolais sind die Crus AOP gebunden, sprich auf das Terroir ihrer Herkunft. Im Bordeaux und in der Provence sind die Klassifizierungen an das Weingut / Château gebunden. Die Klassifikation innerhalb des Anbaugebietes Bordeaux ist etwas komplexer und ausführlich unter unserem Beitrag "Klassifikation im Bordeaux" beschrieben.

Terroir

Im Zusammenhang mit den Cru Lagen muss der Begriff Terroir, bzw. im Burgund auch als „climat“ bezeichnet, noch einmal erwähnt werden. Der französische Begriff ist international in Gebrauch, und es fällt tatsächlich schwer ihn genau zu übersetzen. Beinhaltet er weit mehr als die Geologie. Temperatur, Niederschläge, Sonneneinstrahlung, Geländeform, Bodenfeuchtigkeit und die durch die Art der Bearbeitung des Weinbergs entstehende Fauna und Flora gestalten die besondere Eigenheit einer Parzelle mit Auswirkungen auf die Qualität der Trauben.

Das, was auf dem Etikett steht, und was es bedeutet
Französische Etiketten-Vokabeln und ihre Übersetzung

    Unser Beispiel: Le Petit Soleil vom Château Le Pin Beausoleil

  • Petit Soleil - Name des Weines
  • Appellation Bordeaux supérieur contrôlée - Appellation und Rang genaues Anbaugebiet der AOC / AOP
  • Château Le Pin Beausoleil - Name des Weinguts, Domaine/Château
  • Mis en Bouteille a la propriété – auf dem eigenen Weingut abgefüllt – Abfüller
  • Viticulteur á Saint Vincent de Pertignas – Winzer in … - Herkunftsort des Winzers
  • Produit de France – französisches Produkt – Herkunftsland
  • Jahrgang, Alkoholgehalt,Füllmenge und Angabe pflichtige Zusatzstoffe (Sulfite) müssen auch vermerkt sein.

Zusätzliche Angaben:

  • Eleve en Fût de Chêne – Fassreifung im Barrique
  • Vendanges Manuelles - Handlese
  • Vieilles Vignes - alte Reben
  • Sur lie – auf der Hefe -Weißweine mit langem Hefelager bei der Herstellung, z.B. Muscadet
  • Viticulteur á Saint Vincent de Pertignas – Winzer in … - Herkunftsort des Winzers
  • Clos – eine durch Mauern oder Hecken eingrenzte Parzelle. Nur AOP/ AOC Weine dürfen diesen Herkunftsbegriff verwenden, kennzeichnet er doch die besondere Lage.

Wenn ein Weingut seinen Wein bei einer vergleichenden, unparteiischen Verkostung angemeldet hat und als stolzer Gewinner seiner Sparte hervorgegangen ist, prangen die vergebenen Medaillen oder Abzeichen auf der Flasche.

Die Vielfalt französischer Weine ist wirklich groß und die Landschaft von den nördlichen Anbaugebieten bis zum Mittelmeer und Atlantik abwechslungsreich. So verschieden wie die Terroirs und die Rebsorten sind, so unterschiedlich sind natürlich auch die Charaktere der Menschen und der Weine. Mit der EU Marktverordnung wird der Typizität und dem Terroir-Gedanken der Franzosen, Weine nach ihrer Herkunft zu bewerten, Rechnung getragen. Die einzelnen strengen Regeln im jeweiligen „cahier des charges“ einer AOP und deren Kontrolle bestimmen die Qualitätsmerkmale der Appellation.

Vielleicht betrachten Sie die Etiketten von Weinflaschen aus Frankreich nun auch genauer können einordnen was Sie qualitativ erwartet. Probieren Sie einfach mal aus, ob Sie einen Unterschied zwischen einem Vin de France und einem AOP Wein schmecken können!

Viel Spaß bei der Entdeckungsreise durch Frankreich : )

Veröffentlicht: 23.01.2020
Autor: Anke Kürschner
 

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