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Das Bordeaux

DIE Klassifikationen im Bordeaux

Was bedeuten eigentlich Supérieur, Cru Bourgois, Premier Cru, Grand Cru Classé, etc.

Sie möchten einen besonderen Wein zu einem besonderen Anlass finden und „Bordeaux“ klingt schon mal gut? Aber wie soll man sich nun in dem Dschungel von Begriffen zurechtfinden, die auf dem Etikett stehen und nach viel Qualität klingen? Was macht den Unterschied zwischen Premier Cru und Grand Cru Classé oder ist Supérieur gar super und noch dazu ein Schnäppchen?



Eigentlich ist es ganz einfach - und es hat System!

Im Anbaugebiet Bordeaux werden per Klassifikation nur vier Gebiete gesondert behandelt: Médoc, Grave, Saint-Émilion und Sauternes-Barsac.

Alles andere ist einfach AOC (Appellation d´Origine Contrôlée) beziehungsweise heute AOP (Appellation d´Origine Protégée) Bordeaux. Das bedeutet es sind Weine, die aus dem Anbaugebiet Bordeaux stammen müssen. Ebenfalls für das gesamte Gebiet gilt die Bezeichnung Bordeaux Supérieur. Also rein geografisch eine recht grobe Herkunftsbezeichnung für AOP Bordeaux und Bordeaux Supérieur. Welche Kriterien die Weine erfüllen und die Winzer bei der Produktion ihrer Weine berücksichtigen müssen steht per Dekret im „Cahier de Charge“ für alle Appellationen genauestens beschrieben. Nicht nur die Pflanzdichte, sondern auch Details wie Spalier- und Laubhöhe der Anpflanzungen werden vorgeschrieben, welche Rebsorten und wie viele zu welchem Anteil in einer Cuvée vinifiziert werden dürfen und vieles, wirklich vieles mehr! Um die wesentlichen Qualitätsunterschiede, die das Ministerium für Landwirtschaft festgeschrieben hat, vereinfacht darzustellen und eine grobe Einteilung für die Rotweine zu geben hier nur ein paar Informationen:

  • 1936 wurden die AOP´s Bordeaux festgelegt / AOP Fläche für Rotweine 35.000 ha
  • 1943 wurden die AOP´s Bordeaux Supérieur bestimmt / Fläche für Rotweine 12.363 ha

Der AOP Bordeaux-Weintyp wird als fruchtig direkt zum Verzehr geeignet beschrieben und darf ab dem 15. Januar des Folgejahres nach der Ernte verkauft werden. Es darf nicht mehr als 51 Hektoliter pro Hektar Ertrag geerntet werden.

AOP Bordeaux Supérieur soll mit einer Ertragsbeschränkung von 45 hl/ha das Beste seiner Herkunft zeigen. Sein Charakter soll mehr Fülle, Eleganz und Komplexität zeigen. Er muss mindestens 9 Monate reifen und darf erst ab dem 1. Juli des Folgejahres vermarktet werden.

Nun zu den 4 Gebieten, die eine eigene Klassifikation haben: Médoc, Graves, Saint-Émilion und Sauternes-Barsac.

…das linke Ufer…

Médoc

Cru Bourgois
1932 haben die Courtiers (Makler) in Absprache mit der Handelskammer und Landwirtschaftskammer von Bordeaux 444 Châteaus im Médoc aus Gründen der Umsatzsteigerung als Cru Bourgeois bestimmt. Übersetzt bedeutet „Bourgeois“ Stadtbewohner. Der Begriff geht zurück ins Mittelalter und benennt die wohlhabenden Familien aus Bordeaux, die es sich leisten konnten das beste Land in der Region zu kaufen. So war es 1932 eine Auflistung der „besseren Weingüter“. Ab dem Jahr 2000 fand dann eine Hierarchie innerhalb dieser Klasse mit einer weiteren Unterteilung in Cru Bourgeois Exceptionnels und Cru Bourgeois Supérieur statt. Nach einigem hin und her wurden im Oktober 2009 von der Regierung die heute gültigen Qualitätsansprüche festgelegt und jährlich wird im September die offizielle Liste der Cru Bourgeois du Médoc Weine herausgegeben. In dieser Liste werden zwischen 240 und 260 Weingüter aus allen 8 Médoc AOPs benannt, die insgesamt 40% der Weinproduktion der Halbinsel ausmachen.

Cru Artisans
Selten begegnet einem der Begriff „Cru Artisans“ auf dem Etikett. Diese Klasse wurde bereits vor gut 150 Jahren als Zusammenschluss handwerklicher Kleinbetriebe zum ersten Mal „gegründet“. Wiederbelebt wurde sie aber erst 1989 als „Union des Crus Artisans du Médoc“, 44 kleinerer bis mittelgroßer Betriebe, deren Besitzer selber tatkräftig im Weinberg und im Keller bei der Produktion von AOP Qualitätsweinen tätig sind. Sie sind 2012 offiziell aufgelistet worden und diese Liste der zughörigen Weingüter wird alle 10 Jahre geprüft und aktualisiert.


Die Klassifikation von 1855: Médoc und Sauternes- Barsac

Wenn von der für die Weltausstellung in Paris 1855 festgeschriebene Liste von klassifizierten Weingütern, die bis heute ihre Gültigkeit hat, die Rede ist, fragt man sich heute ob eine vor über 150 Jahren festgelegte Qualitätsliste tatsächlich noch aktuell sein kann. Sie wurde de facto nur einmal 1973 minimal verändert und die Aufzählung der Premiers bis Cinquièmes Crus, also der Ersten bis Fünften Gewächse, ist seitdem festgelegt. Keine andere Klassifikation ist so starr beibehalten worden. Das ließe sich hinterfragen und mit unserem Gerechtigkeitsempfinden nach Chancen für jüngere Weingüter kritisieren. Diese Klassifikation ist bis heute ein Ausdruck dessen, wie Weinhandel im Bordelais funktioniert. Viel von der Geschichte der Region steckt darin und ohne die Hintergründe zu kennen, wird man es nicht verstehen können.

Das Handelssystem im Bordeaux besteht aus 3 Parteien:

  • den Weinproduzenten,
  • den Händlern (négocians)
  • und den Maklern (courtiers)
.

Die Aufgaben und Fähigkeiten sind klar aufgeteilt und bis heute werden 70% aller Bordeauxweine über dieses Handelssystem verkauft. Um zu verstehen warum die Makler so wichtige Aufgabe wie die Bestimmung der Weingüter und Festlegung innerhalb der Klassifikation von der Handelskammer übertragen bekamen, hier eine ausführliche Erklärung:

Die Fähigkeiten innerhalb der Dreierbeziehung sind wie folgt: der Weinproduzent kennt seine Weine am allerbesten, weiß aber nicht sehr viel von den anderen Weingütern, sprich sein Überblick ist sehr klein. Die Händler dagegen hatten nur begrenztes Wissen über die Produktion der Weine. Die Makler wiederum waren das ganze Jahr über mit den verschiedenen Weinproduzenten in Kontakt und kannten den Handel und hatten eine wirtschaftliche Einschätzung über den Markt. Sie besaßen den meisten Überblick.


Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts etablierten sich für eine erhöhte Nachfrage im Handel mit den Niederländern und Engländern zunächst nur bestimmte Regionen. Erst waren Weine aus Graves populär und dann, als sich herum sprach, dass bestimmte Gemeinden im Médoc ein verbessertes Weinbereitungsverfahren anwandten, verlagerte sich das Begehren ins Médoc. Besonders in der Geschätfsbeziehung mit den Engländern erlangten schon früh vier der heutigen Premiers Crus ihren Ruf. Die Nachfrage wurde immer detaillierter, von Region zu Gemeinde, von Gemeinde zu Château, und somit wurden auch die zu erzielenden Preise immer höher.

Nach und nach machten jedoch auch andere Chateaus auf sich aufmerksam und konnten sich ihren Platz und Preis auf dem Markt erarbeiten. So entstanden die Seconds, Troisièmes, Quatrièmes und Cinquièmes Crus tatsächlich über einen langen Zeitraum. Dokumente über Handelsabschlüsse und Beobachtung des Marktes seit 1666, nach der Feuersbrunst und dem Wiederaufbau in London, bis April 1855 waren die Grundlage der Vereinigung der Makler zur Niederschrift der beauftragten Klassifikation zur Darstellung der Region Bordeaux bei der Weltausstellung in Paris.

So gliedert sich die Liste in 5 Premiers Crus

  • Château Haut-Brion, Pessac Pessac-Léognan AOP (einziges Weingut aus Graves)
  • Château Lafite-Rothschild,Paulliac, Paulliac AOP
  • Château Latour Paulliac, Paulliac AOP
  • Château Margaux, Margaux, Margaux AOP
  • Château Mouton Rothschild, Paulliac, Paulliac AOP

14 Seconds Crus, 14 Troisièmes Crus, 10 Quaartièmes Crus und 18 Cinquièmes Crus ohne sie hier alle namentlich aufzuführen.

Diese Klassifikation beinhaltet nur Châteaus aus dem Médoc, bis auf Château Haut-Brion, und bezieht sich auf deren Rotweine.

Wichtig für den Handel waren aber auch noch die köstlichen Süßweine aus Sauternes und Barsac. Auch sie wurden zur Pariser Ausstellung gelistet:

Sauternes und Barsac
Premier Cru Supérieur:

  • Château D´Yquem, Sauternes, Sauternes AOP
  • 11 Premiers Crus und 15 Seconds Crus

Graves

1953 wurde durch das INAO, das Institut national de l’origine et de la qualité, eine Auflistung klassifizierter Gewächse trockener Weiß- und Rotweine in Graves erstellt. 1959 wurde die Liste noch einmal überarbeitet und beinhaltet seitdem 15 Crus Classés und einen 1er Grand Cru Classé, nämlich Château Haut- Brion, der auch in der Médoc Klassifikation als Premier Cru gelistet ist.


Das waren die Beschreibungen zu den Qualitätsbezeichnungen der AOPs des linken Ufers der Gironde und Garonne. Mutmaßlich war kein Abgesandter aus dem Libournais zur Weltausstellung 1855 gereist. Das System der Einstufung in Saint- Émilion kam erst später…



…das rechte Ufer…

Côtes de Bordeaux

Bei den Côtes de Bordeaux Weinen handelt es sich um die Gebiete vom rechten Ufer der Gironde Mündung: Blaye und Blaye-Côtes de Bordeaux, Bourg und Côtes de Bourg und dann weiter südlich entlang der Garonne und Dordogne:
Cadillac-Côtes de Bordeaux, Castillon-Côtes de Bordeaux, Francs-Côtes de Bordeaux, Graves de Vayres (liegt ganz nah an der Dordogne im Gebiet Entre-Deux-Mers und hat nichts mit Graves vom linken Ufer zu tun) und Sainte-Foy-Bordeaux.

Seit 2008 gibt es die AOP´s der Côtes de Bordeaux Weine als eine genauere Spezifikation der Herkunft. Sie liegen alle in eher hügeligen Gebieten und auch die Bodentypen weisen Parallelen auf. Die Weinberge sind mit süd- / südöstlicher Ausrichtung angelegt, und die Rotweine bestehen zum überwiegenden Teil aus Merlot. Sehr interessant dabei ist, dass die Händler Weine aus unterschiedlichen Côtes de Bordeax AOP´s miteinander verschneiden dürfen.

Saint-Émilion

“Le Classement des Crus de Saint-Emilion, unique en France” lautet der Werbeslogan auf der Webseite des Anbaugebietes. In welchem Sinne einzigartig bleibt offen….

Der wesentliche Unterschied zur Klassifikation im Médoc ist, dass diese Klassifikation alle 10 Jahre neu bestimmt wird. Zumindest war es das Vorhaben als sie erstmals 1954 vom INAO (Institut national de l’origine et de la qualité) festgelegt wurde. Tatsächlich wurde sie schon das erste Mal in 1958 überarbeitet und dann einigermaßen regelmäßig in 1969 und 1979. Das Réglement zur Bestimmung der Grand Cru Classé und Premier Grand Cru Classé innerhalb der Klassifikation wurde schon 1986 erneuert und die vierte Klassifikation erschien 1996. Tatsächlich 10 Jahre später, 2006, gab es die nächste, die aber aufgrund von Anfechtungen nur bis 2012 gültig war. Im September 2012 wurde dann die 6. Klassifikation seit Bestehen festgeschrieben, die seit dem 07. November 2012 offiziell Gültigkeit hat. Das Auswahlverfahren dafür wurde vom INAO und Landwirtschaftsministerium überwacht. Insgesamt 82 Weingüter wurden ausgewählt, aufgeteilt in 4 Premiers Grands Crus Classés A, 14 Prémiers Grands Crus Classés und 64 Grands Crus Classés.

Die noch extra mit einem A ausgezeichneten Premiers Grands Crus Classés sind:

  • Château Angélus (A)
  • Château Ausone (A)
  • Château Cheval Blanc (A)
  • Château Pavie (A)

Es gibt keine weitere Abstufung in Seconds oder Troisièmes Crus wie im Médoc. Newcomer haben tatsächlich eine Chance aufzusteigen. Sie müssen ihre Qualität mindestens 10 Jahre unter Beweis stellen, haben dann aber die Gelegenheit bei einer neuen Klassifikation berücksichtigt und bei entsprechender Qualität klassifiziert zu werden.



Nun noch einmal in der Zusammenfassung:

Stark vereinfacht:

  • AOP Bordeaux und AOP Bordeaux Supérieur im ganzen Anbaugebiet Bordeaux.
  • Die Klassifikation von 1855 gilt für die Gebiete Médoc und Sauternes- Barsac mit der Einstufung in Prémiers bis Cinquièmes Crus
  • In Saint-Émilion werden die dort klassifizierten Weine „Prémiers Grands Crus Classés“ oder „Grands Crus Classés“ genannt.

Alle wichtigen Qualitätsunterschiede für alle AOPs sind genau vom Landwirtschaftsministerium im „cahier de charge“ festgeschrieben.

…. Und das war`s

Das waren die Qualitätsbezeichnungen im Anbaugebiet Bordeaux. Wichtig ist festzuhalten, dass die Klassifikationen und Einordnungen der AOP´s wichtige Handelsfaktoren sind. So kann die Preisfestlegung der neuen Jahrgänge sich mit dieser bereits im Vorfeld eingeordneten Qualität eines Weingutes mehr Zeit lassen und immer einen bestimmten Marktwert erzielen.



Anke Kürschner

Die Weine passend zu dem Beitrag

Veröffentlicht: 06.12.2017
Autor: Anke Kürschner
 

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