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Das Bordeaux

DAS Bordeaux in 5 Teilen

Der Reisebericht

Bordeaux, ein Name für eine Stadt, eine Region, ein Weinanbaugebiet. Bordeaux ist Hafenstadt, Universitätsstadt, Sitz eines Erzbischofs, Hauptstadt des Departements Gironde und der Region Nouvelle-Aquitaine und die „heimliche“ Hauptstadt Frankreichs nach Paris. Mit einer neuen schnellen Zugverbindung von nur knapp über 2 Stunden nach Paris ist Bordeaux mit seiner Nähe zum Atlantik, seiner Kultur und seiner florierenden Wirtschaft interessanter Wohnsitz und Metropole im Südwesten Frankreichs.

Bordeaux ist jung, bunt , lebendig und ästhetisch. Der „Place de la Bourse“ mit dem „Miroir d´eau“ direkt an der Garonne ist nicht nur für Touristen attraktiv renoviert, es ist belebte Historie mit spielenden Kindern und Marktständen. Die Promenade zwischen der „Pont de Pierre“ und der Cité du vin (Museum) entlang der Garonne ist bevölkert von Joggern, Inlineskatern, Fahrrad- und Rollerfahrern, Spazier- und Müßiggängern ebenso wie von eiligen Berufstätigen auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Kreuzfahrtschiffe legen hier an. Das ist die moderne Art Hafenstadt, in der Luxusliner großer Schifffahrtslinien Halt machen auf einer mehrtägigen Weinreise entlang der Appellationen des Anbaugebietes Bordeaux. Auf der anderen Flussseite befinden sich Gastronomien direkt am Ufer und Grünanlagen zum Chillen und Petanque spielen; Platz genug den Blick über den Fluss mit den dahinter liegenden historischen Fassaden der Altstadt schweifen zu lassen…

Essen und Trinken ist in der Hafenstadt vielfältig und reichlich von regional bis international für jeden Geldbeutel etwas zu haben. Bierbrauereien mit Craftbier findet man genauso wie Winebars. Essen kann man „à la bordelaise“ als Zubereitungsart mit Bordeauxwein und Schalotten z.B. zum Entrecôte oder eine Vielzahl von Meeresfrüchten und Fisch, Foie gras, Ente in vielerlei Zubereitungsarten aus den nahegelegenen „Les Landes“ und als Süßes die Bordelaiser „Canelés“. Diese winzigen Küchlein in Gugelhupfförmchen gebacken mit ihrem klebrigen Inneren aus Vanille und Rum unter einer karamellisierten Kruste sind die geschickte Überleitung zum Wein der Region. Werden sie doch aus viel Eigelb zubereitet, deren Eiklar für die Eiweißschönung bei der Weinbereitung verwendet wird.

Der Campus Bordeaux bietet Diplomstudiengänge rund um das Thema Weinbau und die Universität betreibt interessante Forschungsprojekte zum Thema Klima und Terroir. Die Vinexpo ist mit 2.300 Ausstellern und 45.000 internationalen Besuchern die größte Weinmesse Frankreichs. Hafen und Wein sind vom Mittelalter bis heute tonangebende Wirtschaftsfaktoren der Stadt auch wenn der Flugzeugbau und die Verschiffung der Teile (z.B. Airbus Industries) in der Region auf Platz 1 der Handelsliste rangiert. Zweitwichtigster Wirtschaftszweig der gesamten Region ist der Wein! Für den internationalen Erfolg der Bordeaux Weine ist nicht zuletzt ein Jahrhunderte altes Handelssystem mitverantwortlich.

Um ein Verhältnis für die Größenordnung des Anbaugebietes zu bekommen, ein paar Zahlen. Weltweit werden auf 7,5 Mio Hektar Wein angebaut. Frankreich bestockt insgesamt 749.00ha mit Reben, davon gehören 111.500ha zum Anbaugebiet Bordeaux. Hier entstehen 1,5% der Weltproduktion an Wein. Das Anbaugebiet gliedert sich in 65 Appellationen, was wiederum 25% der AOC in ganz Frankreich ausmacht. (Es werden immer mehr obwohl die Hektar Anbaufläche sich seit Jahren minimieren.) Noch in den 60er Jahren wurde im Bordeaux mehr Weiß- als Rotwein angebaut. Heute kaum vorstellbar, da der Name Bordeaux doch außer den Süßweinen aus Sauternes und Barsac mit namhaften Rotweinen in Verbindung gebracht wird! Heute werden auch 88% der Anbaufläche mit roten Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot bepflanzt. Auf den restlichen 12% der Fläche werden die weißen Rebsorten Sauvignon blanc, Semillon, Muscadelle, Ugni blanc und Colombard angebaut. Die Franzosen verzehren mehr als die Hälfte ihrer Bordeauxweine im eigenen Land und 42% gehen in den Export. Das macht immerhin ein Fünftel des gesamten Exports von Wein und Spirituosen Frankreichs aus.

Geografie

Die erste grobe Einteilung geografisch ist das linke und das rechte Ufer der Gironde und Garonne. Die meereszugewandte, linke Seite von Gironde und Garonne hat einen höheren Kiesanteil als Unterlage für die roten Rebsorten in den Gebieten Médoc, Haut Médoc und Graves. Unterhalb von Graves wachsen die köstlichen süßen Weißweine von Barsac und Sauternes. Sozusagen wie eine Insel zwischen den Flüssen Garonne und Dordogne befindet sich die hügelige grüne Landschaft des Gebietes von „Entre-Deux-Mers“, in dem sowohl trockene Weiß- und Süßweine als auch Rotweine hergestellt werden. Weiter östlich, über die Dordogne erreicht man Libourne, eine ehemalige Hafenbastion. Zum Libournais gehören die berühmten Appellationen Saint-Émilion, Pomerol und Fransac. Dort wachsen die roten Trauben auf sehr unterschiedlichen Böden bestehend aus Lehm, Kalk, Sand und Kiesel. Richtung Norden befindet sich auf der rechten Seite der Girondemündung das Gebiet um Blaye in dem sehr respektable Weiß- und Rotweine entstehen.

Unsere Reise startete mit einem Überblick über Bordeaux in dem Museum „Cité du vin“. Ein an die Milchkaffeefarbe der Garonne und das Schwenken eines Weinglases erinnernde moderne Architektur. Das Gebäude ist weithin sichtbar und beherbergt ein Weinmuseum, das medial und mit allen Sinnen Weinbereitung, -geschichte und weltweiten Anbau anschaulich für alle Altersgruppen verständlich macht. In der 7. Etage gibt es ein Restaurant und im 8. Stockwerk kann man mit Blick über die Stadt ein Glas Wein von den dort befindlichen Weinbars verkosten. Fragt man in Bordeaux Taxifahrer oder andere Dienstleister, ist der Stolz über das Museum und die anlegenden stattlichen Luxusliner, die die Stadt wieder sichtbar zur Hafenstadt machen, immer herauszuhören.

Die Stadt Bordeaux bleibt unser Dreh- und Angelpunkt um von dort aus die verschiedenen AOC ´s zu erreichen, die Weinvielfalt und das komplexe System der Klassifikation im Médoc und Saint-Émilion kennenzulernen.

Die erste Tour startet in Richtung Süden über die Garonne nach Loupiac, zu einer besonderen Verkostung süßer weißer Köstlichkeiten. Die grüne geschwungene Landschaft mit wunderschönen Anhöhen nimmt uns direkt gefangen. wolkenbewegter, vielfarbiger Himmel und immer wieder auch Sonnenstrahlen zeigen uns, was das besondere Klima hier ausmacht, um die Trauben so lange ausreifen zu lassen. Die Süßweinherstellung und Verkostung bei Château Dauphiné Rondillon ist einen extra Beitrag wert! Von Loupiac an Cadillac vorbei fahren wir wieder zurück über den Fluß um in Graves in Illats trockene Weiß- und Rotweine bei Château Jouvente zu probieren. Jouvente bedeutet übersetzt „Jungbrunnen“ und als Familienbetrieb von D. Gutsmann und seinem Sohn bringen sie ihre zweite Ernte ein, da sie das Weingut erst im Sommer 2016 übernommen haben. Ambitioniert mit neuen Ideen und der Erfahrung des langjährigen Kellermeisters produzieren sie hier AOC Graves Qualitäten aus einer Vielzahl Rebsorten. Semillon, Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris, und Muscadelle werden im Barrique ausgereift zu Weißwein und Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot werden hier zu Rotwein verschnitten.

Der nächste Tag bringt uns einen aufschlussreichen Besuch in der Tonnellerie Boutes, wo wir Zeugen bei der Herstellung von Barriquesfässern werden. Bis heute besteht so ein Fass aus viel Handarbeit und die beeindruckenden Beobachtungen waren mir einen eigenen Artikel wert. Wir fahren quer durch das Gebiet Entre-Deux-Mers nach Naujan und Postiac zu Château Tour de Mirambeau um bei dem deftigen Mittagessen für die Erntehelfer teilzunehmen und dabei einen Eindruck über die Weine der 3 zusammengehörenden Weingüter der Familie Despagne zu bekommen. Der Vater hatte früher mit ca. 20 ha angefangen und nun sind es insgesamt 200 ha, die gemeinschaftlich von den Kindern bewirtschaftet werden In 1998 ist Mont Pérat mit allein 100 ha dazugekommen und alles wurde nach und nach neu bestockt und wird naturnah bearbeitet. Was mir auch in anderen Weinbergen der Region schon bei der Reberziehung aufgefallen ist, ist dass die Unterstämme der Rebstöcke recht kurz gehalten werden. Hier lautet die Erklärung: so bilden sich mehr Blätter für die Fotosynthese aus und mehr Fotosynthese bedeute mehr Aromaausbildung in den Trauben. Generell wird in Rebschulen vermittelt , dass 10 Blätter zur guten Versorgung einer kompletten Traube nötig sind. Wir verkosten zwar unterschiedliche Qualitäten aus den verschiedenen Häusern, die Einordnung des Gutes für „Mirambeau weiß und rot“ jedoch lautet: AOC Bordeaux Supérieur.

In der nächsten Verkostung dreht sich dann alles um „ Côtes de Bordeaux“ Weine. Dafür fahren wir bis ans östliche Ende des Anbaugebietes Bordeaux nach Sainte-Foy-la-Grande. Auch bei Château Chapelains kommen wir mitten ins Erntetreiben. Es ist eine tolle Zeit um mitzuerleben wie unterschiedlich jedes Weingut Entscheidungen fällt: wann gelesen wird, und wie die weitere Umsetzung zur Verwirklichung der eigenen Vorstellung vom Wein von statten geht. Die technischen Möglichkeiten sind je nach Größe der Weingüter natürlich auch sehr unterschiedlich, aber noch ausschlaggebender ist die eigene Philosophie und Realisation der eigenen Ansprüche. Zur den Appellationen Côtes de Bordeaux zählen insgesamt 14.000ha, die sich am rechten Ufer entlang Gironde und Garonne oberhalb und unterhalb des Libournais verteilen. Wir verkosten 4 Weiße und 8 Rotweine nicht nur aus Sainte-Foy sondern z.B. auch aus Cadillac oder Blaye Côtes de Bordeaux. Sie sind sehr unterschiedlich von der Zusammensetzung der Rebsorten, ihrer Machart und nicht zuletzt aufgrund ihrer Herkunft, aber insgesamt komplexer als AOC Bordeaux Weine.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug ins Médoc um die nächste Qualitätsstufe im Vergleich zu verkosten. 7 verschiedene Weingüter aus 7 verschiedenen Appellationen werden uns auf Château Mayne-Lalande präsentiert. "BOURGEOIS et fiers de l´être" ist der Slogan mit dem der Zusammenschluss der Médoc Cru Bourgeois Weingüter wirbt. "Bourgeois und stolz es zu sein." Das können sie auch sein, sind sie doch in diesem Jahr 271 auserwählte Weingüter von 490 vorgeschlagenen, die die Qualitätsvorgaben erfüllen. Es macht Spaß diese Weine zu verkosten. Sie sind gehaltvoll, meist im neuen Bordeaux Stil durch Frucht auch schon zugänglich und überwiegend bezahlbar ab ca. 13,00€ mit gutem Preis- Leistungsverhältnis. Château Mayne-Lalande hat schöne Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste mit Swimmingpool und Spa. So ist nicht nur der leckere Wein einen Besuch hier wert. Vom Bus aus sehen wir wie unterschiedlich die Landschaft, recht flach und eintönig nach den lebendigen Hügeln im Entre-Deux-Mers, bewirtschaftet wird. Als die Niederländer begannen Handel mit Bordeaux zu treiben, brachten sie auch technisches Wissen mit. Unter anderem legten sie sumpfige Gebiete zwischen Fluss und Meer im Médoc und Haut Médoc trocken, so dass mehr Fläche zur Bebauung genutzt werden konnte. Heute weidet Vieh oder liegen gar kleinere Parzellen brach zwischen hochgehandelten Weinbergen und sauber gezogenen Rebzeilen. Es machen oft nur ein paar Meter aus, welcher Grund und Boden wertvoll und fruchtbar ist. Wir fahren zu Château Lanessan nach Cussac-Fort im Médoc. Das Château beherbergt in Wirtschaftsgebäuden eine Sammlung von Pferdekutschen. Die ehemaligen Stallungen sind herrschaftlich an Ausstattung als Zeitzeuge einer von Pferden orientierten Fortbewegung und Bewirtschaftung anzuschauen. Die Gebäude für die Arbeiter waren recht schlicht aber die kostbaren Pferde hatten Heizung und sauberes Wasser in ihrem solide gebauten Stall, wie in dem heutigen Pferde Museum zu sehen ist. Die Technik auf dem Weingut ist sehr fortschrittlich. Die Devise hier lautet: moderne Technik ermöglicht mehr Zeit. Mehr Zeit zum Reifen der Trauben am Stock, da der Vollernter später zu lesen beginnt, weil er nicht so lange braucht, wie die manuelle Lese. Das Lesegut wird durch eine Computergesteuerte Selektiermaschine laufen gelassen. Von diesen "X-Tri" Maschinen gibt es nicht viele in Frankreich. Das Weingut zeigt sie nicht ohne Stolz vor, da die optischen Sensoren dieser Maschine die Trauben rasant auf Reife hin aussortieren mit einer Genauigkeit, die vorher maschinell nicht möglich war und das stundenlange Aussortieren von Hand am Band ersetzt. Wir verkosten eine spannende Vertikale von 2007 bis 2014, die deutlich macht, dass Wein ein witterungsabhängiges Naturprodukt ist! Deutliche Unterschiede sind schmeckbar bei gleicher Stilistik.

Das Bordeaux

Der krönende Abschluss der Reise ist die Fahrt ins Libournais. Wir starten bei Château Tailhas in Pomerol und schauen den Lesehelfern bei der Arbeit zu, bevor wir im Keller Fassproben des Vorjahres kosten dürfen. 2016 war ein sehr guter Jahrgang und reicht hoffentlich um die Frostausfälle von 2017 auszugleichen. Der Spätfrost in diesem Jahr hat zu sehr unterschiedlichen Ausfällen in der Region geführt. Von 60 – 90%igem Verlust ist die Rede, und das 11 ha große Weingut Château Tailhas war stark mit 90% betroffen. Die Weine reifen hier nach Rebsorten getrennt für 12-18 Monaten im Barriquekeller bevor sie in Betontanks assembliert werden um nach ca. 2 Jahren gesamte Reifezeit auf die Flaschen gefüllt zu werden. Diesen Herbst ist der aktuelle Verkaufsjahrgang 2015. Der Merlot den wir von 2016 aus dem Fass verkosten weckt viel Vorfreude… In einer Vergleichsverkostung können wir überwiegend aus dem Jahr 2012 sechs Weingüter aus verschiedenen AOC´s des Gebietes Saint-Émilion, Fransac und Pomerol probieren. Die Weine haben alle einen Merlotanteil von mindestens 70% und sowohl Cabernet Sauvignon als auch etwas Cabernet Franc in der Cuvée. Herstellungsart und Böden variieren und so unterschiedlich sind dann auch der Geschmack und die Reife. Bei Château Curlat in Lussac-Saint-Émilion z.B wird seit 2012 mit der Maschine gelesen und sortiert. Die Beeren werden ohne Pressung in Betontanks gegeben, wo der Saft durch das Eigengewicht der Beeren austritt, und mit den auf den Beerenhäuten vorhandenen Hefen die Gärung startet. Immer wieder werden die Beeren, bzw. der entstehende Tresterhut mit dem Saft überspült. Bei Château Curlat werden die Weinberge separat nach dem Alter der Rebstöcke in Tanks vinifiziert. Wir verkosten eine Vertikale von 2008 bis 2012 und es ist deutlich, dass die Weine ab 2012 ohne Pressung deutlich weniger Bitterstoffe aufweisen und feinfruchtigen, eleganten Tiefgang haben.

Sonnenschein und mildes Septemberwetter laden zu einem Spaziergang im Unesco Weltkulturerbe Saint-Émilion ein. Dieses pittoreske Städtchen auf dem Kalksteinplateau zieht das ganze Jahr über wie ein Magnet Touristen aus aller Welt an. Seit dem 5. Jahrhundert wird dort Wein angebaut und ist bis heute der bestimmende Faktor der Region. Der Charme der Gassen und Bauwerke lässt sich nicht von den teilweise offensiven Einladungen der Weinhändler und den fotografierenden Besuchern der Stadt stören. Es gibt immer wieder Nischen und Einblicke, einladende Gastronomie in Innenhöfen, die den aufkommenden touristischen Rummel ausgleichen. Der „Tour du Roy“, ein quadratischer Turm mit einer Höhe von 14,5m bietet einen wunderbaren Weit- und Rundblick über Stadt und Weinbergslagen mit einer Gesamthöhe von 32m. Die weltliche Verwaltung der Stadt wurde früher von dem „Conseil des Jurats“ übernommen. Heute, 800 Jahre später, kümmert sich die „Jurade“ weniger um weltliche Dinge als um den Wein. Jährlich versammeln sich die Mitglieder in ihren roten Roben oben auf dem höchsten Plateau des Turmes im Juni und September zur Proklamation über den neuen Jahrgang, bzw. zur Lesezeit. Bei unserem Besuch auf Château Tailhas konnten wir die dort ausgestellte rote Robe von Philippe Nebout, Gründer von Château Tailhas in echt bewundern! Krönender Abschluss unserer Reise war der Besuch bei Château Dassault, AOC Saint-Émilion Grand Cru Classé. Wie in der Rubrik Klassifikation näher beschrieben ist das Prinzip in Saint-Émilion anders als im Medoc. Die Historie von Château Dassault macht deutlich wie anders! André Vergriette ein ehemaliger Pilot bekam in den 70er Jahren das Angebot die Betriebsleitung über das Weingut zu übernehmen. Auf seinen Einwand, dass er vom Wein machen keine Ahnung habe, bekam er die Antwort, dass man das lernen könne…. Da er nicht mehr lange aufgrund seines Alters als Pilot hätte tätig sein könne, ergriff er die Chance und lernte auf der Schule in Bordeaux wie man Wein macht. Ein großer Vorteil, da er unbelastet alle technischen Neuheiten kennenlernte und motiviert auf dem Weingut umsetzte. So war Château Dassault bald eins der modernsten Weingüter der Region und Kollegen kamen neugierig zum Erfahrungsaustausch. Im Jahr 1995 übernahm seine Tochter die Führung, Laurence Brun (heutige Vice Présidente Dassault Wine Estates), und das Anwesen wuchs auf insgesamt 65 ha inbegriffen Château Faurie De Souchard und Château La Fleur an. Sie hat die ehemals modernen Edelstahltanks wieder durch Betontanks ersetzen lassen und mit Augenzwinkern vertritt sie selbstbewusst ihre Generation des „Weinmachens". Dazu gehören auch große Barriquefässer für einen Temperatur kontrollierten „Integralen Ausbau“, d.h. die Gärung findet kontrolliert im Fass statt. Diese Art Ausbau ist für Dassault Weine noch in der Erprobungsphase…. Sie ist rührig und gelassen zugleich. Ja, der Frost war schlimm dieses Jahr, aber jetzt scheint die Sonne. Sie hat keine Hektik die Trauben zu lesen, sondern nutzt aus, was die Natur anbietet und kann sich auf ein gutes Team im Rücken verlassen. So nach und nach möchte sie sich aus dem Alltagsgeschehen zurückziehen und den Platz Jüngeren überlassen, die vielleicht ihre Betontanks wieder durch andere Tanks ersetzen…. Die herausragenden Qualitäten ihrer Grand Cru Classé Weine wurden in der letzten Klassifikation von 2012 wieder für 10 weitere Jahre bestätigt. Wir verkosten von allen drei Châteaus den Jahrgang 2014, und ich könnte mich nicht entscheiden, welchem ich den Vorzug geben sollte. Dicht, dunkel , kräftig, intensiv und jung und teilweise gezähmt wäre eine unzureichende Beschreibung für einen Gesamteindruck. Bei dem anschließenden gemeinsamen Abendessen geht die Unterhaltung in diesem herrschaftlichen Ambiente ungezwungen, und das Essen regionaler Leckereien wird von den Jahrgängen 2008, 2003 und 2000 des Château Dassault begleitet. Die Langlebigkeit der Weine hallt noch auf dem Weg zurück nach Bordeaux am Gaumen nach.

Ich nehme viele, viele Bilder mit, die die mit Vorurteilen behaften Bilder in meinem Kopf ersetzen. Wie schön, dass ich so ein lebendiges, modernes, neugieriges und traditionelles Bordeaux kennenlernen konnte. Vielen Dank für die offenen Türen, die mir Einblick in Technik, Geschichte und die Menschen gewährt haben.



Anke Kürschner

Veröffentlicht: 13.11.2017
Autor: Anke Kürschner
 

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