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Die Klassifikation in Italien

Wie erkenne ich die Qualität italienischer Weine auf dem Etikett?

Italiens Weine stehen für gute Laune, „dolce vita“ und „easy drinking“ genauso wie für erstklassige anspruchsvolle Genusstropfen. Pinot Grigio, Lugana, Primitivo und Prosecco verschönen den Alltag während Barolo und Chianti Classico das Festtagsmahl begleiten. Italien produziert weltweit am meisten Wein (in 2018 54,8 Mio Hektoliter) und exportiert auch viel davon. Die Deutschen sind die Hauptabnehmer und damit wichtigster Exportpartner, gefolgt von den USA und auch der Markt in Osteuropa und in Asien wächst. Das gute Preis-Leistungsverhältnis macht italienische Weine so attraktiv. Weiße und rote autochthone Rebsorten sind in aller Welt beliebt und Primitivo ist ebenso bekannt wie der global Player Merlot. Was gibt es Wissenswertes rund um die Begriffe auf denitalienischen Etiketten? Ist Prosecco der Name für den Schaumwein, die Rebsorte oder das Anbaugebiet?

Herkunft und Qualität

Viel Diskussionsbedarf gab es bis das italienische Weinrecht 1992 u.a. mit dem Gesetz 164 verabschiedet wurde. Der Anspruch war es eine Regelung zu finden, in der sowohl die Herkunft im Hinblick auf die Weinqualität als auch Weine, die sich unabhängig ihres Herkunftsstatus einen Namen in der internationalen Weinwelt erobert haben (z.B. „Supertuscans“ mit IGT Stufe), zu berücksichtigen. Das bedeutet zu der geographischen Herkunft die Art des Anbaus und die Verarbeitung im Keller, eben die Kompetenz des Weinbaubetriebes, mit einzubeziehen. Das ist sehr ähnlich dem französischen „Terroir-Gedanken“. Die Festlegung der EU-Weinmarktordnung von 2009 hatte außer ein paar neuen Bezeichnungen nicht wirklich Einfluss auf die vom italienischen Landwirtschaftsministerium festgelegten Qualitätsbezeichnungen.

Innerhalb der EU gilt seit 2009 einheitlich die Einteilung:
Deutschland EU Bezeichnung Frankreich
Wein Wein ohne Ursprungsangabe Vino
Landwein geschützte geographische Angabe IGP
Qualitätswein geschützter Ursprung DOP

Trotzdem wurde nach 2009 das italienische Weingesetz von 1992 überarbeitet und schon im Jahr 2010 ein neues, noch strengeres Weingesetz vom Landwirtschaftsministerium beschlossen. Das berücksichtigt sowohl die EU- Weinmarktordnung als auch die eigenen Qualitätsabstufungen DOC und DOCG, die weiterhin rechtmäßig gleichwertig mit DOP innerhalb der EU verwendet werden dürfen. Es mag auf den ersten Blick eigen erscheinen, dass zusätzlich zu den im EU Weinrecht festgelegten Bezeichnungen doch noch an den italienischen festgehalten wird. Doch war genau die Herkunft betonende Weinmarktordnung von 2009 Auslöser für die durchgreifende Neuregelung im Jahr 2010, die so kontrollierte Qualität im europäischen Sinne auf den Markt bringt.

Was bedeuten die Bezeichnungen auf dem Etikett italienischer Weinflaschen?

Da lohnt es sich doch einmal genauer hinzuschauen, warum es wichtig und sinnvoll war die verschiedenen Qualitätsstufen beizubehalten. Während die einfachen „vino“ oftmals die Rebsorte, z.B. Pinot Grigio, in den Etiketten-Mittelpunkt stellen, bedeutet ein dickgedrucktes „Lugana“ einen Hinweis auf eine DOC mit viel strengeren Vorschriften.

Vino ist die Bezeichnung für einfache Weine mit oder ohne Angabe von Rebsorte und Jahrgang aus Italien. Früher als Vino da Tavola (= Tafelwein) gekennzeichnet, dürfen diese Weine heute nur mit der in der EU gültigen Bezeichnung Vino auf den Markt.

IGP / IGT Indicazione Geografica Protetta / Indicazione Geografica Tipica
Beide Bezeichnungen für Landwein dürfen verwendet werden. Hier müssen Angaben zum Anbaugebiet (geografische Angaben) und der Rebsorte gemacht werden. Weiterhin sind die maximale Ertragsmenge und das Mindestmostgewicht vorgeschrieben. Die Weine müssen sich einer analytischen (chemisch-physikalischen) Prüfung unterziehen.

DOP Denominazione di Origine Protetta
Denominazione di Origine Protetta lautet die Bezeichnung für alle Qualitätsweine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung. Diese, seit der EU-Weinmarktordnung von 2009 gültige Bezeichnung DOP gilt allerdings für die beiden Qualitätsweinstufen DOC und DOCG (kontrolliert und kontrolliert/garantiert). Rechtlich dürfen sowohl die neue Bezeichnung DOP genauso wie die „alten“ DOC und DOCG verwendet werden. Die neue EU Bezeichnung macht den Unterschied von kontrollierter und kontrolliert/garantierter Qualität allerdings nicht deutlich.

DOC Denominazione di Origine Controllata
Die kontrollierte Herkunft der Qualitätsweine ist nur ein Teil der Vorgaben, die erfüllt sein muss, um als DOC auf dem Etikett genannt zu werden. Die Weine dürfen nur aus für die Region zugelassenen Rebsorten mit vorgeschriebener maximaler Ertragsmenge gekeltert werden. Auch die Verarbeitung im Keller ist festgelegt, um die ursprüngliche Herkunft und den typischen Charakter zu betonen. Zusätzlich zu der analytischen Prüfung müssen sich die Weine, die DOC Status erringen möchten, einer sensorischen Prüfung unterziehen.

DOCG Denominazione di Origine Controllata e Garantita
Die gleichen strengen Regeln der DOC Qualitätsstufe gelten auch für die noch einmal extra garantierte Qualität. Nur ca. 5% aller Weine erhalten nach analytischer und sensorischer Prüfung diese besondere Auszeichnung. Damit soll noch einmal die Extraklasse der Weine und Winzer, die mindestens 10 Jahre DOC Status nachweisen müssen, um dann DOCG Status beantragen zu können, gekennzeichnet werden.

Das, was auf dem Etikett steht, und was es bedeutet.
Italienische Etiketten-Vokabeln und ihre Übersetzung:

Zusätzlich zu den geographischen Ursprungsbezeichnungen werden Weine noch mit Begriffen wie „classico“, „superiore“ oder „riserva“ betitelt. Auch diese Begriffe sind mit dem neuen italienischen Weinrecht genau festgelegt und keine beliebigen umschreibenden Adjektive der Qualitätsweine (DOC und DOCG).

Classico ist eine geografische Ergänzung/ Eingrenzung auf einen innerhalb der DOC oder als DOCG genau bestimmten Bereich. Z.B. im großen Anbaugebiet Chianti bildet der Bereich der DOCG Chianti Classico das historische Gebiet, in dem „der“ typische und traditionelle Chianti seinen Ursprung hat. Die Bedingungen und Lage für die zugelassenen Rebsorten sind in den Classico-Gebieten optimal und sorgen so für gute Voraussetzungen qualitativ hochwertige Weine zu produzieren.
Vigna (+ Eigenname) bezeichnet eine besondere Einzellage, ist somit eine sehr genaue geographische Angabe einer Parzelle oder eines Weinberges. Es kann auch für die besondere Qualität, der auf der Lage entstehenden Gewächse stehen.
Superiore bedeutet, dass noch strengere Regeln eingehalten werden: geringerer Höchstertrag bei der Lese, um 0,5 -1 % vol. Alk. höherer zulässiger Mindestalkoholgehalt und längere Reifezeit bis zur Vermarktung.
Riserva bezieht sich auf die Reifezeit der Qualitätsweine. Die genaue Dauer der längeren Fassreife variiert je nach DOC/G
Passito ist ein Wein aus zu Rosinen eingetrockneten Trauben. Diese können am Rebstock getrocknet sein oder nach der Lese auf Gestellen, Matten o.Ä. luftig ausgelegt werden, damit sich das Wasser in den Beeren reduziert und Zucker und Geschmacksstoffe konzentrierter werden. Die Trauben sollen trocken lagern, damit sich keine Fäulnis oder Pilze ausbreiten. In der Regel entstehen aus solch behandelten Trauben Süßweine (z.B. Vin Santo). Schonende Pressung und ein langsames und langes Vergären in Holzfässer folgen der mehrere Monate dauernden Trocknungsphase. Ein Beispiel für einen roten trockenen Passito ist der Amarone (DOC) aus der Valpolicella Region.
Recioto ist der Name für die Süßweine, die in Venetien aus eingetrockneten Trauben (ganz ähnlich den Passito) gekeltert werden. Beim Recioto kann es vorkommen, dass sich während der Monate des Eintrocknens Botrytis cinerea (Edelschimmelpilz) bildet. Früher wurden nur besonders reife und süße Trauben dafür ausgelesen. Heute ist das nicht mehr generell der Fall. Manche Weingüter achten aber auch heute noch darauf und produzieren nicht jedes Jahr einen Recioto.
Ripasso ist ein anderes Verfahren, was bei Valpolicella Weinen angewandt wird, also auch eine spezielle Kellertechnik aus Venetien. Bei einem Ripasso wird bereits vergorenem Rotwein noch einmal Maische oder Trester für eine zweite Gärung zugegeben. Anders als beim Champagner geht es hier nicht um die Bildung von Kohlensäure, sondern um eine Intensivierung der Aromen, Farbe und Tannine aus den Schalen. Anstelle der Maische werden heute auch getrocknete Beeren zur erneuten Gärung zugegeben, damit die Weine nicht zu bitter werden. Mit diesem Verfahren haben die Valpolicella Ripasso Weine DOC Status erhalten. Es können auch Begriffskombinationen wie „Valpolicella Superiore Ripasso DOC“ vorkommen. Damit ist die Herkunft, die Vinifikation und die Berücksichtigung der strengeren Vorgaben ausgedrückt. Der Wein ist farbintensiver und aromatischer als der „normale“ Valpolicella Classico oder Valpolicella Superiore.
Novello ist sozusagen der italienische „Primeur“, ein Jungwein, der für den direkten Verzehr geeignet ist.
Vendemmia Tardiva bedeutet Spätlese
Frizzante ist ein Perlwein. Er hat weniger Kohlensäure als der Spumante, der dem Sekt entspricht. Die meisten Frizzante entstehen durch Tankgärung. Es gibt allerdings auch Hersteller, die unter 3 bar Frizzante mittels traditioneller Flaschengärung herstellen. Über 3 bar unterliegen die prickelnden Weine der Schaumweinsteuer.

Auf den Etiketten italienischer Weine finden Sie ggf. auch ein Siegel eines Schutzkonsortiums. Das „Consorzio Vino Chianti“, um ein Beispiel zu nennen, wacht mit über die Einhaltung der strengen Regeln und Verordnungen in der Region. Anhand der Kontrollnummern auf den Flaschen kann man ablesen wie viele Siegel, in der DOCG Chianti Classico der berühmte Gallo Nero, nach Prüfung vergeben wurden.

Welcher Art Betrieb den Wein hergestellt hat wird mit folgenden Namen wiedergegeben:

Azienda Agricola, landwirtschaftlicher Betrieb
Ca´ für Casa, Haus
Fattoria, Bauernhof, Gehöft
Podere, Landsitz
Tenuta, Landgut

Weinnamen, die eigentlich geographische Bezeichnungen sind:

Prosecco hieß bis 2009 die Rebsorte in dem Anbaugebiet Friaul-Julisch Venetien aus der vorzugsweise Perlweine hergestellt wurden. Heute bezeichnet Prosecco das Anbaugebiet in Friaul-Julisch-Venetien und Venetien und die Rebsorte trägt den Namen Glera. „Le Colline del Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene“, eine hügelige Landschaft unweit von Venedig, an deren Hängen sich die Rebzeilen anschmiegen, sind seit 2019 UNESCO Weltkulturerbe. Das Produktionsgebiet umfasst 15 Gemeinden, die seit 1969 DOC Status haben und seit 2009 tragen die Prosecco Superiore dort auch die DOCG, die garantierte Ursprungsbezeichnung. In der gesamten Region Prosecco werden aber nicht nur Schaumweine (Spumante) und Perlweine (Frizzante) sondern auch Stillweine hergestellt! (Mehr dazu unter „Schon gewusst Prosecco“)

Lugana ist ein Weinbaugebiet in der Region Lombardei und auch teilweise in der Region Venetien, südlich des Gardasees mit den Gemeinden Sirmione, Desenzano del Garda, Lonato del Garda, Pozzolengo und Peschiera del Garda. Die trockenen Weißweine der DOC müssen zu 90% aus Trebbiano gekeltert werden. An dem Beispiel des beliebten Sommer- und Ferienweins lassen sich die einzuhaltenden Vorschriften der oben erklärten Begriffe für die Region Lugana DOC noch einmal gut aufzeigen:
Lugana: Darf erst nach dem 15. Januar des Folgejahrs nach der Ernte in den Verkauf
Lugana Superiore: 12 Monate Reifezeit nach dem 1. Oktober des Herstellungsjahrs
Lugana Riserva: 24 Monate Reifezeit (wovon wenigsten 6 Monate Flaschenreife sein müssen) ab dem 1. Oktober des Herstellungsjahrs
Lugana Vendemmia Tardiva: Spätlese mit einer Reifezeit von 12 Monate Reifezeit nach dem 1. Oktober des Herstellungsjahrs

So hat jede DOC oder DOCG ihre eigenen einzuhaltenden Vorschriften, die sich aus Herkunft, Rebsorten und Tradition bestimmen.

Weitere italienische „Weinklassiker“ im Überblick
Herkunft/DOC/DOCG Rebsorten Region
Amarone della Valpolicella DOCG Corvina, Rondinella Venetien
Barbera d´Alba DOC Barbera, Nebbiolo Piemont
Barolo DOCG Nebbiolo Piemont
Barbaresco DOCG Nebbiolo Piemont
Brunello di Montalcino DOCG Sangiovese Toskana
Chianti und Chianti Classico DOCG Sangiovese Toskana
Frascati DOC Malvasia, Trebbiano Latium
Montepulciano d´Abruzzo DOC Montepulciano Abruzzen
Salice Salentino DOC (rot) Negroamaro Apulien
Primitivo di Manduria DOC / G Primitivo Apulien
Soave DOC Gambellara Venetien

… und erwähnenswert ist auf alle Fälle,
-dass Pinot Grigio die Rebsorte Grauburgunder ist, und sie wird in Italien vorwiegend im Nordosten angebaut. Mit über 17.200 hl Ertrag ist sie immerhin an neunter Stelle in der Liste der in Italien angebauten Rebsorten.
-dass der Südtiroler Vernatsch in Württemberg Trollinger heißt. In beiden Anbaugebieten werden aus der Rebsorte süffige Alltagsweine gekeltert.

Ursprüngliche Vielfalt

Italiens Weine reichen von der traditionellen, sehr individuellen kleinen Produktion nur für die Familie bis zu Großtanks gefüllt mit für den Export bestimmter Massenware. Von Südtirol bis zur Stiefelspitze und Sizilien wird im ganzen Land zwischen Ligurischem, Tyrrhenischem und Adriatischem Meer, Wein angebaut. Italiens Rebsorten haben sich gegen die internationalen Rebsorten im eigenen Land behaupten können und mit dem auf Qualität und Regionalität setzenden Weingesetz in den 1990er Jahren ein Revival erlebt, das über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung und Absatz findet. Grillo aus Sizilien oder Negroamaro aus Apulien gibt es auch in hiesigen Weinregalen zu finden, und es macht einfach Spaß die typischen Weine aus „bella Italia“ kennen und schätzen zu lernen.

Veröffentlicht: 26.02.2020
Autor: Anke Kürschner
 

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