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Nachgefragt beim Weingut Kistenmacher & Hengerer

Den Dingen ihre Zeit zu lassen Bodenständigkeit und die Flexibilität, mit dem zu gehen, was die Natur vorgibt, das macht Hans Hengerer aus und ist Teil seiner Philosophie. Das Weingut Kistenmacher & Hengerer in Heilbronn kann sozusagen als „Zeitzeuge“ viel über die Geschichte des Heilbronner Weinbaus berichten. Als zwei Weingärtners-Familien werden die Kistenmachers und die Hengerers bereits vor über 600 Jahren erwähnt.

Nach der Zerstörung der Heilbronner Innenstadt im zweiten Weltkrieg zog die Familie Kistenmacher in die heutige Eugen-Nägele-Strasse. Durch Heirat im Jahre 1958 entstand das gemeinsame Weingut Kistenmacher & Hengerer, welches sich unter diesem Namen vermarktet und seit 1990 von Hans Hengerer zeitgemäß mit sehr hohem Anspruch geleitet wird. Seine Qualitätsorientierung führte 2013 zur Aufnahme in den VDP.

Als einer von fünf Freunden ist er zudem Mitglied im Quintett „Junges Schwaben“, welches sich für Nachhaltigkeit und Innovation im Weinbau auszeichnet. Gemeinsame Aktivitäten wie auch unter Anderem eine jährliche Messe belegen die sehr gute Zusammenarbeit und den Austausch untereinander.

Im Anbauland des Lemberger und Trollinger zeigt Hans Hengerer, wieviel Tiefgang, Charakter und Langlebigkeit die typischen roten Württemberger Rebsorten entwickeln können, wenn man ihnen Zeit und Raum lässt. Weine aus dem Hause Kistenmacher & Hengerer brauchen viel Zeit. Zeit ist ein großer Teil von Hans Hengerers Hausphilosophie. Und wie es Louis Pasteur zusammenfassend formulierte: „In einer Flasche Wein steckt mehr Fantasie als in allen Büchern dieser Welt…“

Das Winzer-Interview

Warum sind Sie Winzer geworden? Was war Ihre Motivation?

Hans Hengerer: "Ich habe da gar nicht viel drüber nachgedacht. Der Beruf ist in der Familienhistorie begründet, und ich bin von Kindesbeinen an damit aufgewachsen. Das Highlight des Jahres war immer die Traubenlese. Geprägt haben mich natürlich auch alle anderen Arbeitsschritte vom Pflanzen der Rebstöcke bis hin zur Abfüllung der Weine. Die ganze Bandbreite des Berufes erschien mir erst nicht so groß. Es hat sich mir erst später erschlossen, was es bedeutet, die Entwicklung im Weinberg zu verfolgen, sich darüber Gedanken zu machen und Lösungen zu finden. Wir bewirtschaften viele verschiedene Weinbergsparzellen. Diese unterscheiden sich sehr stark in Bezug auf Hangneigung, Ausrichtung, Bodenart, Mikroklima. Ungefähr 2% unserer Flächen werden jedes Jahr neu angelegt. Daher ist es wichtig, bei Neupflanzungen zu beachten, welche Rebsorten in welcher Parzelle am besten hinsichtlich des Wachstums und der Qualität gedeihen. Wir müssen immer wieder flexibel auf das reagieren, was eine höhere Kraft wie z.B. das Wetter vorgibt. "

Seit wann üben Sie den Beruf aus?

Hans Hengerer: " Ich habe vor 36 Jahren meine Ausbildung gemacht. "

Was bereitet Ihnen die meiste Freude bei der Arbeit mit Wein?

Hans Hengerer: "Die Herausforderung! Es ist wie ein Mosaik. Die vielen kleinen Schritte ergeben am Ende ein in sich stimmiges, harmonisches Bild. So dauert es zum Beispiel ca. 10 – 12 Jahre, bis das Wurzelwerk der Rebstöcke so ausgebildet ist, dass die Trauben Jahr für Jahr ein verlässliches Qualitätsniveau erreichen. "

Wie groß ist Ihr Betrieb?

Hans Hengerer: " Wir bewirtschaften mittlerweile 12 Hektar Rebfläche "

Wie viele Mitarbeiter sind auf dem Weingut beschäftigt und wie ist die Arbeitsaufteilung?

Hans Hengerer: " Meine Frau Sabine kümmert sich um die Vermarktung der Weine sowie die Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Der Junior ist jetzt nach seiner Winzerlehre und der Ausbildung zum Weinbautechniker auch voll mit dabei. Eigentlich hatte er geplant, noch weitere Erfahrungen im Ausland zu sammeln, was aufgrund der aktuellen Lage ja nicht möglich ist. Des Weiteren sind zwei Mitarbeiter in Teilzeit und ein Auszubildender bei uns beschäftigt. Da wir ein Familienbetrieb sind, ist die Aufteilung –„was zu machen ist, wird gemacht“ – und jeder kann überall mit anpacken. "

Werden die Weinberge von Hand oder maschinell bearbeitet?

Hans Hengerer: " Wir setzen bei der Traubenlese auf 100% Handarbeit, womit gewährleistet ist, dass die Traube von allen Seiten kontrolliert werden kann und qualitativ schlechte Beeren oder Traubenteile entfernt werden. Die Arbeiten am Rebstock werden bis auf das Gipfeln des Reblaubes von Hand durchgeführt. Die Pflege der Begrünung im Weinberg erfolgt mit dem Schmalspur-Schlepper. "

Da schließt sich direkt das Thema Nachhaltigkeit an. Das klingt für mich schon nach einem sehr respektvollen Umgang mit der Natur.

Hans Hengerer: " Seit mehr als 25 Jahren verwenden wir nur organische Dünger. Die Rebzeilen sind mit einer möglichst vielfältigen natürlichen Flora begrünt, die dem Standort angepasst ist. Unser wichtigstes Kapital ist der Boden und seine Fruchtbarkeit. Einer Verdichtung wird mit leichten Maschinen und breiten Reifen entgegengewirkt. Für die Bodenlockerung ist dann das Bodenleben, z.B. der Regenwurm, verantwortlich. Auf eine maschinelle Bodenlockerung wird verzichtet, da hierbei zuviel CO-2 und das noch klimaschädlichere Lachgas freigesetzt werden. Und auch durch unsere langsame Spontangärung beim Keltern der Weine sparen wir viel Energie, da wir die gärenden Moste nicht kühlen müssen. "

Lesezeitpunkt: Was gibt den Ausschlag für die Reife? Wie sollten die Trauben im besten Fall sein?

Hans Hengerer: " Mit einem Wort – Reif! Wobei die Reife natürlich viele verschiedene Parameter umfasst wie Zuckerreife, Aromareife, phenolische Reife usw. Die Entwicklung läuft nicht parallel und so gilt es, entsprechend für Sorte, Weinberg und Weinstil jeweils den optimalen Lesezeitpunkt zu treffen. Dabei sind Berufserfahrung gepaart mit einer Portion Glück nicht von Nachteil. "

Hat der Klimawandel Einfluss auf den Lesezeitpunkt?

Hans Hengerer: " In den letzten 30 Jahren hat sich der Lesezeitpunkt um 3 bis 4 Wochen verfrüht. Dank der großen Vielfalt an Sorten und Lagen können wir allerdings gut damit umgehen. "

Inwieweit ist die Rebsortenauswahl typisch für die Region? Gibt es in Bezug auf Klimawandel schon Veränderung bei der Anpflanzung neuer Reben?

Hans Hengerer: " Ausgehend vom ursprünglich gemischten Satz werden in Württemberg traditionell viele verschiedene Rebsorten angebaut. Deshalb ist ein stetiger Wandel ganz normal. Bevor wir den Weinberg neu bepflanzen, liegt der Boden zur Erholung mehrere Jahre brach. Da die neue Rebanlage mindestens 40 Jahre Bestand haben sollte, ist die augenblickliche „Weinmode“ kein guter Berater – der Klimawandel mit seinen Folgen dagegen schon. "

Wie vergären die Weine in Ihrem Keller: Spontan oder mit Reinzuchthefen?

Hans Hengerer: " Seit dem Jahrgang 2013 verzichten wir bei unseren Weiß- und Roséweinen auf Reinzuchthefen. "

Schwefel wird im biodynamischen Anbau auch als Pflanzenschutz verwendet. Kommt er im Keller auch zum Einsatz?

Hans Hengerer: " Schwefel wird im Weinbau generell als Pflanzenschutzmittel gegen den echten Mehltau eingesetzt. Bei dem Wein-Ausbau wird er in geringen Mengen zur Konservierung eingesetzt. Bei uns durchlaufen alle Weine den biologischen Säureabbau, dadurch können wir die Zugabe an Schwefel noch weiter reduzieren. "

Wie handhaben Sie es mit der Filtration? Werden Ihre Weine gefiltert?

Hans Hengerer: " Unsere Weiß- und Roséweine im Guts- und Ortsbereich werden schonend filtriert. Bei den hochwertigen Weißweinen wird es, je nach Jahrgang, individuell gehandhabt. Die Rotweine und der Riesling „GG“ werden nicht filtriert. "

Persönliches: Was ist Ihre Philosophie?

Hans Hengerer: " Mit Leidenschaft und Spaß den Beruf des Weingärtners auszuüben – am Ende steht ein charaktervoller Tropfen Wein…! "

Wo liegen die Stärken des Weingutes? Was macht den ganz persönlichen Fußabdruck aus?

Hans Hengerer: " Dieses zu beurteilen überlasse ich den Liebhabern unserer Weine. "

Was war das persönliche TOPP und welches der FLOPP bis jetzt in der Karriere als Winzer?

Hans Hengerer: " Über die Jahre gab es in jede Richtung heftige Ausschläge. Alles Schnee von gestern, der Blick ist nach vorne gerichtet. "

Wenn jemand Sie noch nicht kennt, welchen Einsteiger-/Anfängerwein würden Sie ihm empfehlen?

Hans Hengerer: " Auf jeden Fall wäre ein Einstieg über die Guts- und Ortsweine empfehlenswert - und danach macht es sicherlich Spaß, sich an die etwas schwierigeren Weine heranzutasten. "

Was ist Ihr eigener Lieblingswein vom eigenen Weingut und gibt es Weine von anderen Weingütern, die Sie sehr schätzen?

Hans Hengerer: " Wein ist Emotion, und so variiert der „Lieblingswein“ je nach Situation und Anlass. Und da Probieren über Studieren gehen, ist es immer spannend, Weine von – und vor allem mit – den Kollegen zu verkosten. "



Vielen Dank!

Anke Kürschner

Weine aus dem Beitrag



Alle Weine vom Weingut Kistenmacher & Hengerer
Veröffentlicht: 18.12.2020
Autor: Anke Kürschner
 

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