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Chianti Wein - Alles andere als altmodisch



Was ist Chianti?

  • Wein in dickbäuchigen Strohflaschen (flasco)?
  • Ein Anbaugebiet in der Region Toskana?
  • Oder wie in dem Lied von 1940 schon operettenhaft besungen, - eine Einladung zum Glücklichsein?

Chianti gibt es schon deutlich länger als das Chianti-Lied. Ja, Chianti ist Wein und Anbaugebiet und hat eine lange Geschichte … Das Gebiet Chianti liegt in der Toskana zwischen Florenz, Siena, Arezzo und Pisa. Die kulturhistorischen Städte, die abwechslungsreiche Landschaft und der Reiz von Olivenhainen und Weinbergen machen die Toskana zum attraktiven Reiseziel. Dort lässt es sich glücklich sein und des Lebens freuen, wie im Chianti-Lied besungen. Auch wurde – und wird wieder als Marketinggag - Chianti in die strohumflochtenen, bauchigen Flaschen abgefüllt, die man als Dekoration in Pizzerien oder zum Kerzenhalter umfunktionierte Andenken kennt. Der Wein in diesen Flaschen war qualitativ eher enttäuschend und schmeckte in Urlaubslaune lecker und zuhause eher fad. Die Farbe blass und der Wein sauer, hat dieser Wein nichts mit dem „Blut des Jupiters“ zu tun, der heute in dem DOCG Gebiet Chianti und Chianti Classico produziert wird.

„Blut des Jupiters“ (sanguis jovis) lautet die Übersetzung der hauptsächlich in der Toskana verwendeten Rebsorte Sangiovese. Es wird vermutet, dass schon die Etrusker artverwandte Reben in der Region angepflanzt haben, nachweisliche Belege über den Anbau von Sangiovese gibt es aber erst seit 1590. Sangiovese wächst heute hauptsächlich in den ehemals von den Etruskern besiedelten Gebieten Toskana, Emilia Romagna und Marken. Weine wie Vino Nobile di Montepulciano, Brunello di Montalcino, Morellino di Scansano bestehen häufig sogar zu 100 % aus Sangiovese und natürlich die DOCG Weine Chianti und Chianti Classico mit mindestens 70 % Sangiovese Anteil. Sangiovese ist nicht gerade gefällig. Sie ist arbeitsintensiv im Anbau, „wetterfühlig“ aufgrund ihrer dünnen Schale, und die Weine sind eher säurebetont. Das „Consorzio Chianti Classico“ beschäftigte sich in dem Projekt „Chianti 2000“ mit den verschiedenen natürlich ausgebildeten Klonen der Sorte um optimale, gezielte Züchtungen für die verschiedenen Terroirs zu entwickeln. Das erleichtert die Arbeit, die Qualität, den Geschmack und Umgang mit der Rebsorte. Werden doch heute schon Weine aus 100% Sangiovese vinifiziert, was man sich zu Zeiten des Barons Bettino Ricasoli (1809-1880) nicht vorstellen konnte….

Noch weiter zurückgeschaut:

Bis heute begegnen uns Namen wie Frescobaldi oder Antinori in gut sortierten Weinregalen. Diese Namen der berühmten Handelshäuser aus Florenz stehen schon seit dem 13. /14. Jahrhundert in Verbindung mit toskanischem Wein. Bankgeschäfte und Handel mit Textilien waren deren Hauptgeschäft, daneben Wein und die Förderung der Künstler, wodurch die Familien bis heute Kulturgeschichte in der Toskana, besonders in den Städten, geprägt haben. Frescobaldi besitzt bis heute namhafte Weingüter in der Toskana und gehört so zu den großen regionalen Weinproduzenten mit Weltruf.



Chianti = Gallo Nero? Was es mit dem schwarzen Hahn auf sich hat.

Bis ins Mittelalter zurück geht auch die Legende des „Gallo Nero“, des schwarzen Hahns, der ein wichtiges Qualitätsmerkmal auf den Banderolen der Flachen der DOCG Chianti Classico darstellt.

Die rivalisierenden Städte Florenz und Siena, der blutigen Auseinandersetzungen um die Abgrenzung ihrer zugehörigen Ländereien müde, vereinbarten, dass zwei Reiter an einem festgesetzten Tag mit dem ersten Hahnenschrei im Morgengrauen aus Florenz und Siena losreiten. Dort wo sich die beiden treffen, sollte die Grenze zwischen den Städten verlaufen.

In Siena wurde, in Vorbereitung auf den großen Tag, ein stattlicher weißer Hahn gut gefüttert und gepflegt. So wollte man sicher gehen, dass der Hahn gut bei Kräften ist und laut und vernehmlich den frühen Tag krähend begrüßt. In Florenz dagegen wählte man einen schwarzen Hahn für diese wichtige Aufgabe aus, und setzte ihn „auf Diät“. Er wurde extra nicht gefüttert. Wie man heute weiß, war das die cleverere Methode. Der Hahn war an besagtem Tage, so ungeduldig vor lauter Hunger, dass er schon vor dem Sonnenaufgang krähte, und der Reiter sich frühzeitig in Richtung Siena auf den Weg machte. Der satte weiße Hahn wiederum krähte erst so spät, dass es der Reiter aus Siena nur gute 12 Kilometer, bis in die Nähe des Castello di Fonterutoli schaffte, bis die beiden Reiter sich trafen. So gehörten für lange Zeit große Teile des Gebietes Chianti zu Florenz. Das ist die Geschichte des „Gallo Nero“.

… zurück zu Baron Bettino Ricasoli

„Castello di Brolio“, das Schloss der Adelsfamiie Ricasoli bei Gaiole, ist das älteste Weingut Italiens. Bettino Ricasoli, der wiederholt ab 1860 für die politischen Geschicke der Toskana verantwortlich war, widmete sich außerdem dem Weinbau. 1872 schrieb er die fortan für Winzergenerationen maßgebliche Rebsorten Zusammensetzung einer „typischen“ Chianti Cuvée nieder: 70 % Sangiovese, 15 % Canaiolo Nero, 10 % weiße Rebsorten und 5 % andere Rebsorten. Andere Rebsorten sind z.B. Colorino, Ciliegiolo, Malvasia Nero oder Aleatico. Die Weine reiften in großen alten Holzfässern. Erst hundert Jahre später versuchten sich Winzer mit internationalen Rebsorten wie Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon und der Lagerung in neuen Barriquefässern. Die so nach französischem und amerikanischem Vorbild produzierten Weine passten nicht zu den Regeln des italienischen Weingesetzes und erhielten keinen DOC Status, sondern dürften lediglich als Tafelweine auf den Markt gebracht werden. Sie zeigten ein vollkommen anderes Geschmacksbild eines toskanischen Weines. Die „nur Tafelweine“ erlangten internationales Interesse und Renommee. Als „Super Tuscans“ erzielten diese Weine Preise, die über denen der DOCG Chianti und Chianti Classico lagen. Das italienische Weingesetz passte sich dem Erfolg der nach internationaler Machart produzierten Weine an. Das bedeutet, dass heute, nachdem die Aufregung um die Super Toskaner vorbei ist, auch internationale Rebsorten in der Chianti Cuvée zugelassen sind, auf weiße Rebsorten mitunter ganz verzichtet wird und die Weine in Barriques reifen können. Nach wie vor müssen aber 70 % Sangiovese Anteil in einem echten Chianti sein!

Was gehört zum Chianti Gebiet?

Geografisch erstreckt sich das Gebiet vom Hinterland der am Ligurischen Meer gelegenen Städte Livorno und Pisa bis zum Apennin. Die abwechslungsreiche Landschaft bietet sehr unterschiedliche Grundlagen für den Weinbau, und so ist Chianti nicht gleich Chianti! Das ganze Gebiet wird in acht Teilgebiete unterschieden und seit 2010 hat Chianti Classico, eines der Teilgebiete, eine eigene DOCG. Die sieben anderen um das Classico Gebiet herum gelegenen Gebiete tragen die Namen der Orte, bei denen sie gelegen sind: Chianti Montalbano, Chianti Rufino, Chianti Colli Fiorentini, Chianti Montespertoli, Chianti Colli Senesi, Chianti Aretini und Chianti Colline Pisane. Die Winzer hier können sich entscheiden, ob sie ihre Weine als Chianti oder detaillierter als z.B. Chianti Rufino auf dem Etikett vermarkten möchten.



Qualitätsmerkmale der Chianti Weine

Seit 1987 überwacht das „Consorzio Vino Chianti“ die Produktion und Qualität der als Chianti vermarkteten Weine aus den acht DOCG Gebieten. Alle Weine werden geschmacklich und analytisch geprüft. Chianti unterscheidet sich vom Chianti Classico außer seiner geografisch festgelegten Herkunft im:

Mindestalkoholgehalt Höchstertrag der gelesenen Trauben pro Hektar
Chianti 11,5 % vol. Alkohol 9000 kg
Chianti Classico 12 % vol. Alkohol 7500 kg

Ähnlich wie im Bordeaux die Bezeichnung Bordeaux Supérieur Kennzeichen einer geringeren Ertragsmenge und längerer Reifezeit ist, dürfen auch in einem Chianti Superiore nur maximal 7500 kg/ha Ertrag und die Weine frühestens im September des Folgejahres vermarktet werden.

In allen sieben Unterzonen und im Chianti Classico Gebiet gibt es die Kategorie Riserva. Diese Weine haben einen höheren Alkoholgehalt und wurden zum Reifen für längere Zeit in den Fässern der Weingüter gelagert. In den Unterzonen liegt der Höchstertrag der Trauben bei 8000 kg/ha und der Alkohol bei 11,5%-12,5% vol.

Um nun noch das schon vielfach erwähnte „DOCG“ und die damit in Zusammenhang stehende Geschichte der Super Toskaner zu erklären, hier nun zur Verdeutlichung hier die italienischen Qualitätsstufen:

Vino da Tavola Tafelwein
IGT Indicazione Geografica Tipica,
Tafelweine mit Geografischer Herkunft seit 1990 mit Angaben zu Anbaugebiet, Sorte, besonderen Weinarten und Jahrgang
DOC Denominazione di Origine Controllata,
Ursprungsbezeichnung für Wein mit Rebsorten- und Produktionsregelung
DOCG Denominazione di Origine Controllata e Garantita
ist die übergeordnete Kategorie zu den DOC- Weinen mit zuverlässiger Qualität.
Riserva, Superiore oder Classico sind zusätzliche Prädikate in der DOCG Kategorie.


Ja, ja der Chianti-Wein …
Nach so vielen Fakten noch mal eine Zusammenfassung der wichtigen Merkmale des Chianti -Weines:
- Chianti ist ein Anbaugebiet in der Toskana, das in acht Unterzonen eingeteilt ist.
- Die Hauptrebsorte ist Sangiovese.
- Chianti Classico Weine sind mit dem „Gallo Nero“ gekennzeichnet.



Wann haben Sie zum letzten Mal Chianti probiert?

Das angestaubte Image, dass dem Namen Chianti anhaftet, hat die Region in den letzten 20 Jahren abgelegt. Auch der Trend international austauschbare Weine ohne Herkunftsprofil zu produzieren ist vorüber. Heute gibt es ein Besinnen auf die Qualität der Region und ihre Diversität und auf die Eleganz der Sangiovesetraube.



Die Weine aus diesem Beitrag

Veröffentlicht: 28.03.2019
Autor: Anke Kürschner
 

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