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RAPPEN
Sprechgesang, hier ohne Ton, ist rappen. Schwarze Pferde in der Mehrzahl sind Rappen, und ein Schweizer Franke besteht aus 100 Rappen.
Die vinophile Erklärung des Begriffs Rappen im Wörterbuch der deutschen Winzersprache lautet: Stielgerüst, an dem die Beeren hängen.
Das mehrdeutige Wort Rappen ist nicht die einzige Bezeichnung für das Stielgerüst der Weinbeeren. Der bildhafte Begriff Kamm, bzw. Traubenkämme, veranschaulicht die vielen kleinen Stiele des Gerüsts, die wie Zinken eines Kammes nach dem Rebeln, dem Abbeeren, sichtbar werden.
Ganz, mit Stiel und Stängel, werden Trauben bei der Kohlensäuremaischung oder bei der Ganztraubenpressung weiterverarbeitet. In beiden Fällen steht ein sanfter Umgang mit möglichst unversehrten Trauben im Vordergrund.
Je nach Jahrgang werden die Rappen auch extra zugegeben und mitvergoren, weil sie, wie Simone Adams es formuliert, „zur Differenzierung des Terroirs beitragen, die Tanninstruktur verfeinern sowie Tiefgründigkeit und Komplexität noch weiter steigern“.
Zu dem Thema, welche Auswirkungen die Stiele auf die Weinqualität haben, wurde von Rocio Gil-Muñoz, Encarna Gómez-Plaza eine ausführliche wissenschaftliche Untersuchung herausgegeben. Rappen sind schließlich nicht gleich Rappen! „Viele Parameter beeinflussen die Wirkung der Stiele auf den Wein, insbesondere Rebsorte, Stielzustand, Art und Weise der Einarbeitung der Stiele, Zeitpunkt ihrer Zugabe und Kontaktdauer. Andere selten berücksichtigte Faktoren können ebenfalls einen Einfluss haben, darunter Jahrgang und Reifebedingungen, die die Verholzung der Stiele beeinflussen können.“
Ob entrappt oder nicht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Weltweit werden 70% der Beeren maschinell gelesen und bereits im Weinberg von Stock und Stiel getrennt. Für die restlichen 30% handgelesenen Trauben hat der Winzer je nach Tradition und Stilrichtung die Wahl, die Struktur und den Geschmack seiner Weine mit Rappen zu bereichern – oder eben nicht.
SCHRÖTER
Was macht wohl ein Schröter?
Damit ist schon vorweggenommen, dass ein Schröter etwas macht, nämlich schröten, bzw. schroten. Verlegen wir uns in dem Wein-ABC neuerdings auf Schrot & Korn (Begriffe aus der Münzkunde), bzw. Getreide? Schrot, in diesem Fall grob gemahlenes Getreide, dient unter anderem der Herstellung von Branntwein – immerhin ein Bezug zu einer anderen Form von Wein.
Oder geht es um das Befüllen von Patronen mittels kleinster Bleikügelchen? Als weingesellige Pazifisten veröffentlichen wir hier keine Wissenshappen, die sich mit Waffenmunition beschäftigt. Ganz im Gegenteil: Das Tragen von Waffen war dem Schröter bei seiner Arbeit gar verboten! Rechtschaffen und ehrlich mussten sie sein, die Weinschröter.
Die kurze Erläuterung bei wiktionary.org für den Schröter lautet: „Person, die schwere Weinfässer aus Handelsgründen transportiert.“ Der Begriff schroten oder auch schröten stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet das Schleifen und Ziehen eines Fasses. Ein genaueres Bild der Tätigkeit gibt die Erklärung „eine schwere Last mit Hilfe eines Schrotbaums oder einer Schrotleiter fortbewegen“. Der Beruf des Weinschröters besaß große Wichtigkeit. Sie vereinigten sich in Schröterbruderschaften, bildeten im späten Mittelalter eine eigene Zunft und organisierten sich seit dem 19. Jh. in Genossenschaften. So lange waren ihr Geschick und ihre Dienste zum Verladen und Transportieren von Weinfässern aus den engen Kellern der Winzer zum Schiffsanleger sehr gefragt. Es war eine vertrauensvolle und auch gefährliche Aufgabe.
Das zu verladene Fass, in der Regel ein Fuder mit ca. 1000 Liter Fassungsvermögen, wurde vor dem Transport erst einmal überprüft. Dafür waren auch Kenntnisse aus dem Küferhandwerk nötig. Mit mehreren Männern wurde das Fass mit Hebestangen in Position vor den Kelleraufgang gebracht. Je nach Höhe wurden zwei Schrotleitern sicher miteinander verbunden auf die Treppenstufen gelegt. Die Schrotseile wurden entweder mit Schlingen um das Fass gelegt oder bei leeren Fässern mit Haken im Spundloch des Fassbodens eingehakt. Zum Hochziehen des Fasses gab es mehrere Möglichkeiten. Mal zogen mehrere Männer im Gleichtakt mit dem Ruf „Zu gleich“ oben am Eingang an dem um einen Schrotbaum gewickelten Seil oder die Seile wurden an einer Winde befestigt und das Fass durch Drehen der Winde hochgehievt. Oben angekommen wurde das Fass auf ein Fuhrwerk verladen.
Der Schröter war bis zur Übergabe des mit Wein voll befüllten Fasses am Schiff für den sicheren Transport des kostbaren Gutes zuständig. Erst dort hat er für seine Arbeit seinen Lohn, das Schrotgeld, vom Kaufmann erhalten.
Bis Mitte des letzten Jahrhunderts waren Schröter z. B. an Schiffsanlegern am Rhein tätig. Mit der Entwicklung neuer Kellertechnik und anderer Behälter für die Weinherstellung wurde ihr ehrenhafter Beruf überflüssig. Der Begriff „Schrötertod“ bezeichnet genau diese fortschreitende Entwicklung. Der im Jahr 1988 erschienene Kriminalroman von Doris Gercke „Weinschröter, Du musst hängen“ handelt allerdings nicht vom Aussterben eines Berufszweiges entlang des Rheins, sondern deckt Verborgenes in einem Dorf im Hamburger Umland auf.
TORKELN
Na, das ist mal ein Wort, das man direkt mit Wein in Zusammenhang bringen kann! Als Tätigkeit nach reichlich Weingenuss fällt einem zu Torkeln sofort die nicht mehr ganz gradlinige Fortbewegung auf den eigenen zwei Beinen ein. Was torkeln ist, weiß man wohl! Weiß man’s?
Das Wort torquere stammt aus dem Lateinischen und bedeutet drehen, winden, umdrehen aber auch foltern, gar quälen.
Bleiben wir bei dem Drehen, nicht nur um sich selbst auf der Suche nach dem richtigen Weg, sondern der Torkel, einer Spindelpresse zum Auspressen von Maische, die bis ins späte Mittelalter verwendet wurde. Ebenfalls aus dem Lateinischen stammt „torculum“ bzw. „torcularium“, was übertragen der Kelter oder Presse oder eben der Torkel, Torggel entspricht. Um den begehrten Saft aus den angequetschten, angegorenen Reben, der Maische zu pressen, wurde mittels des bis zu 15 Meter langen, massiven Torkelbaumes und einer Spindel die druckvolle Weinpresse konstruiert. Die vielen Bauteile, die in einem schuppenartigen Torkelhaus mit vielen Mannes- und Pferdestärken zur Torkel zusammengebaut waren, wurden vom Torkelmeister und seinen ihm helfenden Knechten bedient. Die auf dem Torkelbrett (Biet) liegenden bis zu 2.000 Kilogramm Maische wurden mit einem Druck von bis zu vier Tonnen von Presshölzern gepresst. Nach 2 Stunden wurde das Pressgut noch einmal aufgemischt und erneut gepresst. Je nach Größe der Torkel und Menge des Pressgutes konnte das Pressen mehrere Tage dauern. Der Torkelmeister war angehalten das schwere Gerät und den Vorgang die ganze Zeit zu beaufsichtigen und zu begleiten – bis auf ganz kurze Austrittspausen im Torkelhäuschen.
Vom Torggeln zum Törggelen Nur noch als genussvolle Notiz zum Schluss: In die Herbstzeit und Zeit des Weinpressens gehörte vor allem in Südtirol das Zusammenkommen, um den jungen Wein oder gar noch Traubenmost zu feiern, das Törggelen. Geröstete Kastanien, Speck, Roggenbrot und andere deftige Speisen begleiten würzig den frischen Suser, Sauser. Ein gemütlicher Brauch, der heute auch ohne die beschwerliche Art des Weinpressens mittels Torkel noch gerne gepflegt wird.
UTA
Die drei klangvollen Buchstaben formen einen schönen Frauennamen, der aus dem Althochdeutschen stammend für Reichtum steht. UTA steht auch für den Beruf der wichtigen Umweltschutztechnischen Assistenten bzw. Assistentinnen. Deutlich weniger nützlich und wohlklingend, bzw. wohlschmeckend ist die Bedeutung von UTA in der Welt des Weines. UTA steht für den „untypischen Alterungston“. Keine Uta würde gerne vorzeitig so untypisch altern wollen! Die „untypische Alterungsnote“ ist ein Weinfehler. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es typische also „echte“ Alterungstöne gibt. Die werden, eben weil sie bei echt alten Weinen vorkommen, als normal bzw. als Reifetöne wertgeschätzt und nicht als Fehler betrachtet.
Während richtig alte Weißweine ehrwürdig bernsteinfarben im Glas funkeln und einen Geschmack, der als Firne bezeichnet wird, aufweisen können, sind die von UTA betroffenen Weißweine schon in der Jugend (6 Monate nach der Gärung) alt. Sie schmecken unangenehm nach dem vergessenen Fundus eines in die Jahre gekommenen Theaters. Mottenkugeln, alte Seife, nasses Sackleinen, feuchtes Pappmaschee wabern muffig in die Nase. Die wenig animierenden Beschreibungen ließen sich noch fortführen. Verantwortlich für die geschmackliche Fehlentwicklung im Wein ist 2-Aminocetophenon, AAP, dass sich beim Abbau aus dem Pflanzenhormon Indolessigsäure bilden kann. Während man den Übeltäter AAP bereits 1993 auf die Spur gekommen ist, sind die Ursachen für dessen Entstehung noch nicht endgültig geklärt. Im Jahr 2000 hat die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg zehn mögliche Fehlerquellen beim Weinanbau aufgelistet. Sehr viel detaillierter geht eine Studie des MDPI vom Juli 2023 dem Thema auf den Grund. Her nun vereinfacht die meistvermuteten Ursachen für den Weinfehler UTA: Schlechte Wasserversorgung in der Hauptvegetationsphase, eine zu frühe Lese, sprich unreifes Lesegut oder zu hoher Ertrag vor allem bei jungen Anlagen. Was kann dagegen unternommen werden?
Natürlich sollte bestenfalls sorgfältig und umweltschonend im Weinberg gearbeitet und selektiertes Traubengut für die weitere Verarbeitung im Keller verwendet werden. Der Fehler wird sozusagen mit dem Lesegut in den Keller gefahren. Dort wird dann versucht dem fehlerhaften Wein mit Ascorbinsäure seine zu früh verlorengegangene Jugend wieder einzuhauchen. Um in dem Theaterbild zu bleiben: Das Alter wird für die Premiere dick überschminkt. Nach der Vorstellung kommt die Wahrheit ans Licht – sprich ins Glas. Die Ascorbinsäure täuscht eben nur kurz die Jugend des frischen Weines vor.
VARIETAL VS. VARIETY
Zugegeben, der englische Begriff Varietals begegnet einem heutzutage nicht mehr häufig. Da die Vielfalt der mit „varie…“ startenden Worte trotzdem für Verwirrung sorgen kann, übernehmen wir hier mal die Aufklärung.
Varietal Variety Varieté – äh, das gehört nun doch wirklich nicht hierher! Oder doch? Im Französischen steht „variété“ für Abwechslung, bunte Vielfalt (nicht nur auf Schaubühnen) und hat den gleichen Ursprung wie das englische „variety“, nämlich das aus dem Lateinischen stammende Wort varietas. Varietas übersetzt auch Varietät, meint eine Auswahl, Verschiedenartigkeit, Abwechslung oder Sorten-, Vielfalt. Das bunte Bühnenspektakel trägt seinen Namen also zu Recht. Variety taucht tatsächlich auf den Rücketiketten mancher Weinflaschen auf. Gemeint ist die grape variety, also die Traubenvielfalt. Meist folgen dann in Aufzählung die verschiedenen Sorten mit Namen wie z. B. Cabernet Sauvignon und Merlot. In der Regel ist der Wein also eine Cuvée aus mehreren Rebsorten.
Varietal meint – so irreführend das Wort auch aufgebaut ist – tatsächlich nur eine einzige Sorte! Varietals oder varietal wines sind rebsortenreine Weine. Der Begriff ist gebräuchlich bei Weinen aus der neuen Welt, allen voran den USA und Australien.
Varietals – Vin de cepage – Rebsortenreiner Wein
Nachdem der Begriff sprachlich geklärt ist, lädt er doch noch zu einer genaueren Betrachtung ein. Per Definition ist je nach Herkunft rebsortenrein nicht gleich rebsortenrein! Die Gewissheit, dass ein Wein nur aus einer Rebsorte gekeltert wurde, haben Sie nur bei angekündigten 100% z.B. Chardonnay auf dem Etikett. In der alten Weinwelt, in Europa, gilt ein Wein mit 85% einer Rebsorte als Rebsortenwein und darf den Namen der Rebsorte auf dem Etikett tragen. So kann ein „Riesling“ gar mit 15% Scheurebe, Müller-Thurgau oder anderen Sorten des herstellenden Weingutes ergänzt sein. Der Winzer ist nicht verpflichtet das anzugeben.
In der neuen Welt, allen voran den USA, reichen 75% einer Rebsorte, um als Varietal zu gelten. Die Vorschriften können diesbezüglich je nach Anbaugebiet, „American Viticultural Area“ kurz AVA, etwas variieren ; ). In Kalifornien gilt bei Lagenweinen die strenge Vorschrift, dass 95% der Trauben aus der angegebenen Lage stammen müssen. Man kann davon ausgehen, dass die Lage auch nur mit einer Rebsorte bepflanzt wurde.
Noch einmal zusammengefasst:
Variety meint die verschiedenen Traubensorten. Varietals sind Weine, die je nach Herkunft aus mindestens 75%, bzw. 85% einer Rebsorte bestehen und damit als rebsortenreine Weine gelten.WEIN
Na, das ist ja mal einfach! Wein ist vergorener Traubensaft. Punkt.
Als solcher ist Wein seit Tausenden von Jahren Kulturgut und Handelsware, findet Anwendung bei religiösen Riten und ist hier und heute Genussmittel einer aufgeklärten Gesellschaft. Wenn wir von Wein reden, versteht es sich von selbst, dass wir das alkoholische Getränk meinen, das aus Weinbeeren hergestellt wird. Wenn wir wiederum von Beerenwein sprechen, sind in der Regel keine Beeren von Rebengewächsen der Gattung Vitis vinifera gemeint. Dann sind es vergorene Stachel-, Johannis- oder Himbeeren, die in Ausflugslokalen als alkoholischer „Naschwein“ Leckermäulchen beglücken.
Der Begriff Wein wird sowohl für die Gattung der Weinrebengewächse (Vitis), den einzelnen Rebstock, als auch die Weintrauben, bzw. Weinbeeren oder das daraus mittels alkoholischer Gärung entstandene Genussgetränk benutzt. Botanisch betrachtet wachsen die Weinbeeren aus dem verzweigten Blütenstand einer traubenförmigen, getreckten Rispe.
Wie vieles Wein nun auch ist, eins ist er per Definition nicht: alkoholfrei. So wird aus dem Kulturgut Wein ein top aktuelles Thema. Wein ist zum Glück noch in vieler Munde. Nach den verschiedensten Moden und Methoden, mit denen die Beeren in technisch hochgerüsteten Kellern gekeltert wurden und werden, bricht wohl eine Zeit der Wein-Entsagung an. Der alkoholhaltige Wein wird entalkoholisiert. Das wird z. Zt. mit verschiedenen Verfahren wie Vakuumdestillation oder Umkehrosmose gemacht. Der Erfolg ist noch gewöhnungsbedürftig – wird aber immer besser. Weniger ist mehr ist auch das Motto der Weinbereitung. „Die Arbeit wird im Weinberg gemacht, und der Wein entsteht im Keller fast von ganz allein". So natürlich möchte mancher Winzer sein „Naturprodukt Wein“ den Kunden schmackhaft machen. Ganz so einfach ist es dann nun doch nicht, aber auch da geht der Trend zu einem bewussteren Umgang mit den erlaubten Hilfsmitteln bei der Weinbereitung bis hin zum „Natural wine“.
Wein ist alles andere als einfach. Wein regt zu Diskussionen an. Wein verbindet Religion, Literatur und Medizin. Wein schreibt Geschichte und kultiviert Landschaft. Wein ist emotional. Punkt.
XEROPHIL
Xerophil, was mag das bedeuten? Vor allem in einem Wein-ABC? Ist das eine Rebsorte, oder was?
Zugegeben es ist jetzt kein typischer Begriff aus der Weinfachsprache. Menschen, die sich mit Pflanzen beschäftigen kennen das Wort vielleicht. Die griechische Silbe „phil“ macht den Begriff per se schon mal liebenswert! Bleiben wir beim Griechischen, bevor weitere Mutmaßungen über das Wort angestellt werden.
Altgriechisch xērós und heute immer noch sehr ähnlich xirós, ξηρός bedeutet trocken. Philia, φιλία steht für die Liebe, die Zuneigung und die Freundschaft.
Zusammengesetzt wird das Trockene, bzw. die Trockenheit geliebt - und zwar von Pflanzen! Xerophyten sind demnach Trockenpflanzen, die in Steppen, an Felsen, in Wüsten und Salzlandschaften oder frosttrockenen, winterkalten Gebieten überleben können. Zwar ist die Vitis vinifera, also die Weinrebe, extrem robust, aber unter solch spärlichen Bedingungen kann sie nicht lange existieren. Die normalerweise in gemäßigten Klimazonen wachsende Rebe ist weder xero- noch hygrophil (wasserliebend). Als Folgen des Klimawandels erleben auch die bisher gemäßigten Zonen Extremwetterlagen. Die clevere Rebe hat Techniken entwickelt, um weiterhin in ihrem angestammten Lebensraum zurechtzukommen. Alle Rebsorten können auf ihrer Suche nach Wasser sehr tief wurzeln. Ältere Rebstöcke bohren ihre Pfahlwurzeln bis zu 15 Meter in die Erde! Einzelne Sorten haben bereits eine Trockenresistenz entwickelt. Und die kultivierende Hand des Menschen kann in sehr trockenen Anbaugebieten durch die Korberziehung der eigentlichen Rankpflanze zu einem schützenden Nest verhelfen. Um noch einmal Bezug zum Griechischen zu nehmen: Die Kouloura (Korb) lässt die Blätter nach außen wachsen und behütet so die innenliegenden Trauben vor Wind und Sand. In der Mulde kann sich Wasser ansammeln. Kennzeichen xerophiler Pflanzen wie Dornen oder eingerollte, kleine, harte Blätter hat die Weinrebe bei aller Anpassungsfähigkeit aber nun doch noch nicht ausgebildet.
Noch ein Wort mit X?
Na klar! Weil’s grad so schön hier her passt: XYLEMDie Weinrebe ist als Gefäßpflanze mit einem Xylem ausgestattet. Das ist ein Teil des Wasserleitsystems von Pflanzen, welches Wasser und darin gelöste, anorganische Stoffe wie Mineralien und Salze von der Wurzel bis in die Spitze transportiert. Organisches, z. B. Zucker macht sich gelöst im Phloem auf die Reise durch die Pflanze. Ohne dieses aus Xylem und Phloem bestehende Transportsystem könnten die Pflanzen nicht wachsen oder keine Photosynthese betreiben – auch Xerophyten nicht.
Zurück zu XIRÓS.
Xirós bedeutet trocken. Trocken ist eine definierte Geschmacksbezeichnung bei Weinen. International gilt bis 4 g/l Restzucker als trocken. Je nach Säuregehalt des Weines können das bei deutschem Riesling aber z. B. auch 7 g/l bis max. 9 g/l Restzucker sein. Mehr zu den verschiedenen Süße Graden bei Wein finden Sie unter "Wie erkenne ich Weinqualität deutscher Weine auf dem Etikett? "
Doch ganz schön viel Wissenswertes mit X im Zusammenhang mit Wein!
YVD
YOUNG, jung und dynamisch startet der Begriff mit Y.
VINE, Wein steht in der Mitte noch in Saft und Kraft,
DECLINE um dann dem Untergang zu erliegen.
Bei Young Vine Decline handelt es sich nicht um den Niedergang junger Weine, sondern um eine Rebholzkrankheit.
Wie gut, dass wir in diesem ABC just unter X den Begriff Xylem schon erklärt haben! Bei YVD wird durch Pilzbefall das Transportwegesystem der jungen Rebe gestört, weswegen diese Krankheit auch den Namen „Black Xylem Decline“ (BXD) trägt. Vielfach findet man Hinweise dazu auch unter der nach dem Pflanzenpathologen Lionello Petri (18875-1946) benannten Petri-Disease. Der italienische Botaniker, Mykologe und Phytopathologe forschte Zeit seines Lebens nicht nur über die Pathologie des Waldes, sondern auch über Krankheiten bei Reben und Esskastanien. Die Petri-Krankheit tritt bei jungen Rebstöcken auf und ist die Vorstufe der Esca-Krankheit. Phaeomoniella chlamydospora und Phaeoacremonium aleophilum heißen die pilzigen Übeltäter, die die Leitbahnen der jungen Pflanzen befallen und YVD, alias Young Esca auslösen. Diese Krankheit hat im jugendlichen Stadium zwar viele Namen, aber trotz aller Forschung hilft noch kein Mittel bei Befall. Deswegen ist das dramatische Wort Decline, Verfall, durchaus gerechtfertigt. Der kann schleichend langsam verlaufen oder schlagartig die Pflanze hinraffen. Da Reben mehrere Jahrzehnte alt werden können, bleibt noch zu klären welches Alter mit Young gemeint ist. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2017 der Université de Reims Champagne Ardenne bezeichnet Reben bis 8 Jahre als jung. Danach ändert sich nicht nur der Name der Krankheit in Esca, sondern auch ein weiterer Pilz treibt in der erwachseneren Pflanze sein Unwesen: Der Weißfäulepilz Fomitiporia mediterranea. Der lässt das Holz weiß aussehen und verändert die Holzstruktur in leichten „Zunder“, was zu der Namensgebung Esca, lateinisch = Zunder führte.
Zurück zur jungen Rebe:
Äußerlich oft lange unsichtbar bilden sich durch den Pilzbefall im Stamm braune, schwarze Stellen, die sich gar ringförmig durch den gesamten Stamm entlang der Wasserleitbahnen des Holzkörpers ziehen können. Die befallen Gefäße sterben ab und die Versorgung des Astes oder Stammes ist eingeschränkt bis unterbrochen und so mickert das Pflänzchen unterversorgt vor sich hin. Das zeigt sich dann auch im Blattwerk. Zwischen den Blattadern und am Blattrand kommen keine Nährstoffe mehr an und sie werden erst gelb dann braun und vertrocknen vorzeitig schon im August. Dunkle, schwarze, gummiartige Schmiere (Gummosis) kann stellenweise auch abgesondert werden, was der Krankheit noch einen weiteren Namen einhandelte: Black goo disease (Schwarze-Schmiere-Krankheit).
Es gibt noch viel mehr über diese unschöne Krankheit zu berichten. An dieser Stelle soll nun noch der Schlenker zum Guten folgen. Wenn den Pilzen keine Chemikalie den Garaus machen kann, so können Weinbauern immerhin vorbeugende Maßnahmen im Weinberg treffen. Große Schnittwunden und Stammverletzungen sollten umsichtig vermieden werden und abgestorbene Stöcke nach Möglichkeit entfernt und verbrannt werden. So sprießen aus dem young vine gesunde, saftige Trauben aus denen junger, frischer, leckerer Wein gekeltert werden kann.
ZAPFEN
Zapfenstreich des ABC-WeinWissens
So ein gängiges, vielbenutztes, patentes Wort wie Zapfen beendet die unterhaltsame Reihe WeinWissen für den sofortigen Gebrauch. Bei Z, wie Zapfenstreich ist das ABC am Ende angekommen. Aber natürlich gibt es auch am Ende noch eine gehörige Portion Wissen rund um den Begriff Zapfen.
Zapfen? Kennt doch jede/r einen, oder? Tannenzapfen, das Zäpfchen aus Kindertagen, verzapfte Holzverbindungen, Zapfen in der Netzhaut der Augen, die unsere Farbwahrnehmung bei Tageslicht ermöglichen oder den zylindrischen Zapfen aus Metall an Bauteilen als Verbindungsstück, die Zapfsäule an der Tankstelle, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Vielfältigkeit des Begriffes setzt sich in der Weinwelt fort. Eigentlich geht im Wein nichts ohne Zapfen. Drehzapfen am Tummelbaum, Zapfen als Vorrichtung zum Abdichten des Pressbrettes, Zapfen an der Rebe, beim Rebschnitt, bei der Reberziehung, Reservezapfen, Zapfen = Maiskolben ohne Körner zum Abreiben der Rebrinde.
„Die Entnahme von Wein aus einem Fass.“, das Zapfen, kann mittels eines Zapfhahnes oder mit anderen Gerätschaften oben aus dem Spundloch des Fasses bewerkstelligt werden. Das ist eine sehr angenehm vertraute Bedeutung des Begriffes. Im Kleinen kann man das auch bei den Bag-in-Box Weingebinden zuhause zelebrieren und den Wein mittels der eingebauten Zapfvorrichtung aus der Box zapfen. Das Zapfen meint also die Entnahme und der Zapfen dient dem Fass als Verschluss. Mit einem Holz- oder Korkzapfen wird das Spundloch am Holzfass verschlossen. Mundartlich wird ein Korken zum Verschluss des Zapfenlochs auch liebevoll als Zäpfchen bezeichnet.
Das ist die geschickte Überleitung zum schweizerischen Zapfen. Der bezeichnet den Weinflaschenverschluss aus Kork, den Korken. Wenn ein Wein „Zapfen“ hat, hat er nicht nur den Korken im Flaschenhals, sondern auch als fehlerhaften Geschmack im Wein – also einen Korkschmecker.
Der Zapfenschnitt:
Im Frühjahr wird die Rebe so geschnitten, dass ein Zapfen mit zwei Augen (Knospen) am Altholz verbleibt und die Hoffnung des kommenden Weinjahres in sich trägt. Aus dem jungen Trieb wachsen dann die neuen, frischen Triebe.Zapfen, Zapfen, Zapfen! Ein Wort mit so vielen Bedeutungen ist wirklich ein gebührender Abschluss unseres Wein-ABCs Jetzt noch eine allerletzte Erklärung zu der Frage: Woher stammt der Ausdruck Zapfenstreich? Die Nachtruhe in militärischen Quartieren wird mit dem Zapfenstreich eingeläutet. Streich bedeutet hier in dem Kontext Schlag und der Zapfen ist wie schon erwähnt der Verschluss eines Fasses. Mit dem abendlichen letzten Schlag der Wache auf den Zapfen eines Fasses ist der Ausschank beendet und Zeit für alle nach Hause und ins Bett zu gehen. Als Streich = Strich gibt es auch noch die Erklärung, dass anstelle eines Schlages auf den Zapfen des Fasses ein Kreidestrich darüber gezogen wurde. Nach der Kennzeichnung dürfte es nicht mehr geöffnet werden! Diese Art der „Fasssperrstunde“ war ebenfalls Signal für die streng einzuhaltende Nachtruhe.









