Deutsche Qualitäts- und Prädikatsweine sind mehr denn je zeitgemäß und alle Jahre wieder der Rede über sie wert.

kühl & trocken

Das Temperament kühl und der Humor trocken – Deutsche Winzer und ihre Weine. Was ist heute noch dran, an der ewig alten Kritik wie „Deutscher Wein ist sauer“ „Riesling ist sauer“, „Deutscher Rotwein ist nicht kräftig genug“ . Kaum zu glauben, aber hartnäckig halten sich diese Vorurteile hierzulande über Generationen aufrecht. Dabei sind die kühlen Lagen längst wärmer geworden und die Weingüter besucherfreundlich und einladend. 

Deutsche Winzer geben Gas und das Ausland bekommt’s mit.

Während die alten, miesepetrigen Vorurteile hier immer noch nicht ganz überwunden sind, machen deutsche Weine im Ausland positiv von sich reden. Burgunderrebsorten vinifiziert „in Germany“ machen den französischen Burgundern arge Konkurrenz. Deutscher Riesling findet internationale Anerkennung und belegt die ersten 10 Plätze in der Liste der teuersten Rieslinge der Welt. Als edelsüße Trockenbeerenauslese Platz 1 bis 5 und nur auf Platz 9 ist ein trockener Riesling mit in den Top Ten (wine searcher 2026).
Die internationalen Lobeshymnen bringen den Winzern zuhause keine adäquate Anerkennung ein. Weininteressierte Konsumenten wissen durchaus um die tollen Weine fast vor der Haustür.
Aber ein Großteil der Weitrinker beschäftigt sich nicht unbedingt mit der Entwicklung des deutschen Weinbaus. Dabei wächst das Gute wirklich sehr nahe! 

Immer besser, aber immer weniger

Fakt ist, dass trockene Qualitätsweine zunehmen. Fakt ist ebenso, dass die bepflanzten Hektar Weinberge abnehmen. Im Jahr 2010 wurden auf 102.168 Hektar 40 % der Weine trocken ausgebaut. Im Jahr 2025 wurden auf 101.970 Hektar 53 % der Weine trocken ausgebaut. Die deutsche Weinqualität wurde und wird spätestens mit jedem neuen Jahrgang von der hiesigen Weinpresse gelobt. Auch im Jahr 2026, in dem die Lese schon am 13. August legendär früh startete, weiß man schon ab Lesestart, dass die Qualität super sein wird und wegen des heißen, trockenen Sommers die Quantität geringer als im Vorjahr ausfällt. Ähnliches lesen wir auch über die Jahre davor. Eine immer geringere Menge Wein wird produziert, die immer besser wird, also quasi naturgegeben Qualität vor Quantität entsteht. Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht ...   

Was ist hierzulande in den Weinbergen im Wandel?

Deutlich mehr als „nur“ das Klima! Menge und Güte des deutschen Weines ist natürlich viel vom Wetter abhängig, aber die mutigen, zukunftsweisenden Entscheidungen, was wie im Weinberg wächst, trifft der Winzer. Das „Thema“  Wein ist längst nicht mehr nur geschmacklich in aller Munde, es verändert sich in einer gesundheitsbewussten Zeit vom alltäglichen Feierabend-Schoppen zu einem Getränk mit Eventcharakter. Natürlich sind die Auswirkungen der Klimaveränderung relevant für die Arbeit der Winzer im Weinberg. Verbindungen wie „Zukunftsweine GmbH“ zeigen ihren Weg mit den sich verändernden Bedingungen und ihre Perspektive. Wie in vielen anderen Branchen gibt es kein weiter wie bisher. Auf Trotz folgt Aufbruchstimmung und das ist verdammt gut so!  Zukunftsweine sind aus PIWIs, pilzwiderstandsfähigen Züchtungen, wie z. B. Solaris, Souvignier Gris oder Cabernet Blanc. Mittlerweile gibt es erste Weine, die längere Lagerzeiten in Fass und auf der Flasche haben und man kann schauen, ob und wie die Weine aus den neuen Züchtungen altern. Vier Prozent der Rebflächen in Deutschland sind mit PIWIS bepflanzt mit einer prognostizierten Steigerungsrate von 10 % im Jahr. Das gilt es zu beobachten, ob sich das tatsächlich so entwickeln wird. Ein weiterer „Rebsortentrend“ geht dahin, neben Riesling vermehrt sämtliche Burgunderreben von Chardonnay, Grau- und Weißburgunder bis Früh- und Spätburgunder anzubauen. Die Böden und das Klima sind hier bestens geeignet und die jetzige Winzergeneration versteht ihr Handwerk daraus hervorragende Weine im internationalen Stil mit Herkunftsausdruck zu keltern. Wie ein Winzer es treffend formulierte: „Natur und Kultur führt zu Herkunft.“  So gut gemachte Weine reisen z. B. aus der Pfalz und Rheinhessen über die Grenzen in alle Herrenländer. Auch Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot finden in immer mehr Weinbergen hierzulande ein Zuhause, weil Temperatur und Untergrund stimmen. 

Noch einmal zurück zum Riesling:

Beim Riesling scheiden sich geschmacklich die Geister, und er musste viele Schmähungen hinnehmen. Im Jahr 2006 nahm sich eine neue Winzergeneration dieser Rebsorte auf ihre Art und Weise an. Die Generation Riesling sind nach über 20-jährigem Bestehen keine Jungwinzer mehr und haben Riesling dank Zusammenhalt und Austausch deutschlandweit auf eine neue Qualitätsebene gehoben – und das in der Breite und nicht nur in Großen Gewächslagen. 

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Neue Konsumenten braucht das Land

Im Hier und Heute haben wir motivierte Winzer, hochwertige Weine, internationale Anerkennung und einen sinkenden Absatz. Laut OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) sind für den Rückgang des Weinverbrauchs unter anderem „veränderte Lebens- und Konsumgewohnheiten sowie wirtschaftlicher Druck“ verantwortlich. Neue Absatzmärkte zu erschließen und zunehmender Export ist eine Lösung für die Weinbaubetriebe, um den sinkenden Umsätzen im eigenen Land entgegenzusteuern. Wein ein neues Image zu verpassen ist ein weiterer Ansatz, um Konsumenten das jahrtausendealte Kulturgut Wein neu schmackhaft zu machen. Über die Geschichte des Weins und seine kulturelle Bedeutung und Entwicklung habe ich ausführlich unter Wein eine persönliche Betrachtung geschrieben. Was genau sind denn die veränderten Konsum- und Lebensgewohnheiten in Bezug auf Wein? Das Produkt ist gut und immer besser und der Kunde springt nicht mehr so selbstverständlich auf die üppige Auswahl in den Weinregalen an. Woran liegt’s? Was ist los? 

Was ist los?

Das ist genau die richtige Frage! Oder anders gefragt. Wo geht was? 
Die Neugier und das Interesse am Wein sind auch bei jüngeren Generationen ungebrochen. Der Wissensdurst möchte nur gerne anders unterhaltsam gestillt werden: Wein als Open-Air-Event mit Techno Mix und keine Präsentation einer erlesenen Auswahl in gediegenen, schummerigen Räumen von nostalgisch verträumten Jahrgangs-Weinkennern. Zwischen diesen beiden Varianten liegt eine ganze Bandbreite an Wein-Events, sozusagen für jeden Geschmack etwas. Auffällig ist dabei, dass sich die Berührungsängste, die es früher noch bei dem Thema Wein gab, dank der menschennahen und besucherfreundlichen Angebote überleben. Aktiv mit im Weinberg Wein zu lesen, Yoga-Retreats im Weinberg, mehrtägige Festivals mit einer großen musikalischen Bandbreite kombiniert mit Wein, Pop Up Weinbars, kleine Straßenzüge feiern mit der lokalen Gastronomie nachbarschaftlich Weinfeste – das Erlebnis zählt! Von Meditation bis House tanzend im Weinberg lässt sich alles buchen. So mutiert der Weinkonsument zum Teilnehmer, Besucher oder Lesehelfer und zahlt nicht nur für den Weinverzehr, sondern für ein geplantes, organisiertes Erlebnis. Die Bereitschaft schnell mit ein paar Klicks ein tolles Event für 30, 40 oder gar 70 Euro zu buchen, ist deutlich größer als die gleiche Summe im Weinladen für eine Flasche Wein auszugeben, um sie mit Freunden zu teilen. 

Teil des Ganzen

Was gemeinsam bleibt, egal ob beim Weinflasche teilen mit Freunden zuhause oder beim Wein-Event draußen, ist die soziale Komponente, ist die Freude am Genuss und am Miteinander. Zusammen etwas erleben, beim Winzer hautnah dabei sein und sehen, fühlen, riechen, schmecken wie Wein gemacht wird, das ist sozial und spricht den ganzen Menschen an. Viele Winzer haben das erkannt und sind regional gut vernetzt, um auch gemeinsam Events umzusetzen. Anstelle sturer Konkurrenz tritt Aktivismus für gemeinsame Aktionen, die als Besuchermagnet anziehend wirken. Wander- oder Radtouren entlang der „Kulturlandschaft Weinberg“ gespickt mit Weinlauben oder offenen Weinkellern werden seit Jahren angeboten und auch immer noch gerne genutzt. Das schafft Bewusstheit für die Region, ggf. persönliche Bindung an einzelne Winzer und einen rundum Gute-Laune-Tag, der in guter Erinnerung bleibt. Um noch am Ende den Wellness-Aspekt nicht zu vernachlässigen: Ganzheitlicher Weingenuss, wie er bei einem schönen Fest erlebt wird, öffnet das Herz für Freude und Wohlgefühl. Geselligkeit, Essen und Trinken mit Genuss sind einfach gut für Leib und Seele. Diese Weisheit wiederum ist schon ganz schön alt! 

In froher Erwartung

Ein neuer Jahrgang wird gelesen und die Spannung steigert sich, bis der Rebensaft im kommenden Jahr auf die Flasche gefüllt vor neugierigem Publikum auf Messen das Licht der Weinwelt erblickt. Aber eins ist mit Sicherheit jetzt schon klar: auch der neue Jahrgang aus den 13 deutschen Anbaugebieten wird ein guter sein! 

 

Alle Weine aus Deutschland

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